Doch einige Angestellte sind misstrauisch. Sie befürchten, dass sie bei Stellenstreichungen ins Visier geraten könnten oder ihnen ein Aufstieg verweigert werden würde.
Amerikas zweitgrößte Bank erklärte gegenüber den Angestellten der Investmentbank, dass sie bald in der Lage sein werden, weitere bis zu sechs Wochen pro Jahr frei zu nehmen - und das mit Bezahlung. Die Bank "pilotiert" ein Programm für Mitarbeiter seines globalen Banking- und Markets-Bereichs, das es ihnen ermöglichen wird, diese bezahlte Auszeit zusätzlich zu dem zu nehmen, was ihnen an Urlaub ohnehin schon zusteht. Das geht aus einem internen Rundschreiben von Chief Operating Officer Tom Montag hervor.
Mitarbeiter müssen mindestens zehn Jahre beim Unternehmen beschäftigt sein, um sich zu qualifizieren, und sie können die Auszeit nur alle fünf Jahre beantragen. "Sie können die Zeit für was auch immer verwenden", schrieb Montag. Er schlug vor, dass Mitarbeiter "auf Reisen gehen, ein philanthropisches Projekt verfolgen, Zeit mit der Familie verbringen oder sich einfach Zeit nehmen, um sich aufzuladen und neu auszurichten".
Jessica Oppenheim, eine Sprecherin der Bank, reagierte nicht sofort auf Anfragen von Bloomberg mit der Bitte um eine Stellungnahme. Wall-Street-Banken haben in den letzten Jahren versucht, ihre Mitarbeiter länger zu halten. Der größte Teil dieser Bemühungen konzentrierte sich auf Nachwuchskräfte mit Initiativen zur Lockerung der langen Arbeitszeiten, die jahrelang von neuen Mitarbeitern im Investmentbanking verlangt worden waren.
Überzeugungsarbeit notwendig
Bezahlte Langzeiturlaube sind jedoch in der Investmentbanken-Welt selten. Morgan Stanley hatte 2016 begonnen, bezahlte Auszeiten für neue Vice Presidents anzubieten, berichtete die Financial Times im vergangenen Jahr.
Das Programm von Bank of America ermöglicht es den Mitarbeitern, vier zusätzliche Wochen frei zu nehmen, sobald sie zehn Jahre lang im Unternehmen waren, wie aus Dokumenten hervorgeht, die das Angebot beschreiben. Die Angestellten erhalten ihr Grundgehalt, jedoch wird die Zeit nicht auf ihren Bonus angerechnet. Nach 20 Jahren bei der Bank sind fünf Wochen möglich und ab dem 35. Jahr dann sechs Wochen.
Bank of America muss möglicherweise einiges an Arbeit leisten, um die Mitarbeiter davon zu überzeugen, dass das neue Programm ihren zukünftigen Karriereaussichten nicht schaden wird. Einige Angestellte im Investmentbanking, die namentlich nicht genannt werden wollten, erklärten, dass sie wohl zögern würden, einen bezahlten Langzeiturlaub zu beantragen -wegen der Gefahr, dass sie bei Stellenstreichungen ins Visier geraten könnten oder ihnen ein Aufstieg verweigert werden würde.
Montag scheint jedoch zu erwarten, dass zumindest einige die Gelegenheit nutzen werden. "Ich freue mich darauf, von Ihnen hören, wie Sie Ihren bezahlten Langzeiturlaub verbracht haben", erklärte er am Ende seines Rundschreibens.
(Bloomberg)