Die neue Vampirserie erinnert natürlich stark an die "Twilight"-Saga, tauscht aber eine Menge Herzschmerz gegen vielversprechende Charaktere und nette Blutsaugergeschichten.
Wenn ein Sender eine Vampirserie im Hauptabendprogramm gleich nach "Desperate Housewives" platziert, so ist die Zielgruppe recht offensichtlich. Auch die vielen Anleihen, die "Vampire Diaries" an der Teenie-Herzschmerz-Saga "Twilight" nimmt, zielen recht eindeutig auf weibliches Publikum ab. Doch die Serie bietet mehr als vampirgewordene Deflorationsphantasien für pubertierende Mädchen.
Die Romanvorlage zur Serie wurde zwar schon vor den "Twilight"-Büchern veröffentlicht, die Serie samt Drehbüchern ist aber deutlich jünger. Es könnte also zu einer ausführlichen Diskussion unter ganz besonders enthusiastischen Fans kommen, wer was von wo geklaut hat. Eigentlich kommt ja alles irgendwie von Bram Stoker......
Natürlich Kitsch, aber mit Spannung
Grundsätzlich ist "The Vampire Diaries" eine Teenie-Serie. Denn die Haupthandlung erzählt von dem vegetarischen Vampir Stefan (Anleihe 1 von Twilight) und dem traurigen hübschen Mädchen Elena (Anleihe 2). Vegetarisch bedeutet hier, dass er - weil er ja der Gutvampir ist - sich nur von Tierblut ernährt und keine Menschen anknabbert.
Als Gegenspieler tritt sein Bruder Damon, der "Bösvampir" auf. Er saugt hemmungslos die Menschen in der kleinen Ortschaft "Mystic Falls" aus, ist körperlich viel stärker und dürfte irgendetwas gegen Damian haben.
Gut konstruierte Charaktere
Schon in der ersten Folge führt die Serie viele Nebencharaktere mit entsprechend viel Potenzial für spannende Nebenhandlungen ein. Sehr gelungen ist etwa, dass praktisch alle Geschwister haben. Man mag es als Anspielung auf potenziell inzestiöse Tendenzen in Kleinstädten sehen, jedenfalls stehen die Chancen für spannende und verworrene Handlungsstränge gut. Auch, weil - im dankenswerten Gegensatz zu "Twilight" - Sex hier nichts Böses ist und quer durch die Schulklasse praktiziert wird. Auch der Hauptdarsteller, Paul Wesley, strahlt eine reifere Erotik aus als Robert Pattinson in Twilight.
Rätselhaft mächtige Vampire
Was die Serie für grundsätzliche Vampirfans aber interessant macht, ist die langsame Heranführung an ihre Macht. Folgende Fakten sind nach der ersten Folge klar:
- Sie können weit springen
- Sie sind sehr schnell
- Sie können Gedanken von Menschen manipulieren
- Sie hören sehr gut
- Dank eines Ringes haben sie kein Problem mit der Sonne (ohne verbrennen sie, wie es sich für einen Vampir gehört. Vampire glitzern nicht.)
- Sie können nur in ein Haus eintreten, wenn man sie hereinbittet (klassisches Vampirproblem, auch bei "Buffy" verwendet.)
Stefan dürfte an die 150 Jahre alt sein, denn er fühlt sich zu Elena hingezogen, weil sie seiner ersten Liebe aus dem Jahr 1864 ähnlich sieht (diesmal eine Anleihe bei Bram Stoker).
Nebel, Krähen, Regiefehler, Selbstironie
Etwas verstörend ist, dass der Bösvampir Damon seinen Auftritt immer mit Nebelschwaden und einer Krähe ankündigt. Und dass Elena nach einem Sturz eine klaffende Wunde am Bein hat, ihre Hose aber völlig sauber bleibt.
Der Auflockerung dient es aber, dass die Serie nicht an Ironie sich selbst und dem gesamten "Vampire in Teenie-Serien"-Thema gegenüber spart. So macht sich Damon etwa über die "Grimasse" von Stefan lustig, wenn dieser wie in "Buffy" in den Vampirmodus übergeht.
Auch ohne Cliffhanger spannend
Zumindest die erste Folge war voll von "Cliffhangern", also Ankündern folgender Geschehnisse. Sie wären aber gar nicht nötig. Denn ob der erwähnten gut konstruierten Charaktere und der vielen Handlungsstränge ist ausreichend Spannung aufgebaut, um sich auf die nächste Folge zu freuen.
Nächsten Mittwoch, 21:15 Uhr, auf Pro7.