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Spekulationsblase: Reich werden ohne Eistee

Blockchain-Technologie lässt Aktienkurse steigen - selbst dann, wenn es sich nur um eine Namensänderung handelt.

Wien. Der Hype rund um virtuelle Währungen treibt immer absurdere Blüten. Jüngster Nutznießer – bzw. Opfer – der Spekulationsblase ist der Hersteller der Limonade Long Island Iced Tea. Wenige Tage vor Weihnachten kündigte das in Hicksville im US-Bundesstaat New York ansässige Unternehmen an, den Firmennamen ändern zu wollen: Statt Long Island Iced Tea Corporation wolle man fortan Long Blockchain Corporation heißen und neue Geschäftsfelder im Bereich „digitaler Kryptowährungen“ beackern, hieß es in der Presseaussendung. Der Hintergrund: Blockchain ist die Software-Technologie, auf deren Basis Bitcoins gemünzt werden.

Die Reaktion der Anleger ließ nicht lange auf sich warten und übertraf wohl die kühnsten Erwartungen der Eisteehersteller: Binnen eines Tages schoss der Kurs des Unternehmens um bis zu 500 Prozent in die Höhe – obwohl die Long Blockchain Corporation keine konkreten Investitionspläne oder Produktinnovationen präsentiert hatte. Der Getränkeproduzent folgt damit dem Beispiel des britischen Kleinunternehmens On-Line PLC, das an der Londoner Börse als Nebenwert notiert und am Finanznachrichtenportal ADFVN beteiligt ist: Ende Oktober änderte die Unternehmensführung den Namen On-Line PLC zu On-Line Blockchain PLC – und verdreifachte damit binnen 24 Stunden den Unternehmenswert. Auch in diesem Fall wurde lediglich der Firmenname geändert, ohne konkrete strategische Schritte zu setzen.

Der Glaube an die Magie des Namens ist übrigens kein Novum. Zum ersten Mal wurde dieses Phänomen Ende der 1990er-Jahre im Zuge der Internet-Spekulationswelle erforscht. Eine Studie, die Ende 2000 – also wenige Monate nach dem Platzen der Dotcom-Blase – publiziert wurde, kam zum Schluss, dass Umbenennungen für Firmen sehr lukrativ sein können. Den Studienautoren zufolge konnten Unternehmen, die im Laufe des Jahres 1999 ihren Namen um die Nachsilbe „.com“ erweiterten, innerhalb von zehn Tagen einen mit der sonstigen Geschäftstätigkeit in keinerlei Zusammenhang stehenden Kursgewinn von durchschnittlich 74 Prozent verzeichnen. (la)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.12.2017)