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Ende der Männerdomäne Aufsichtsrat

Frauen in deutschen Unternehmen
APA/dpa/Rolf Vennenbernd
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Ab 1. Jänner müssen Aufsichtsräte von börsenotierten Unternehmen zu 30 Prozent von Frauen besetzt sein. Da haben viele heimische Konzerne Nachholbedarf.

Österreichs börsenotierte Konzerne sind nach wie vor eine Männerdomäne - vor allem, was die Führungspositionen betrifft: Drei von vier Börsenunternehmen haben noch immer zu wenig Frauen im Aufsichtsrat, ermittelte der Unternehmensberater EY. Das muss sich nun rasch ändern:  Ab Jänner 2018 gilt in den Aufsichtsräten von Unternehmen, die entweder börsennotiert sind oder ständig mehr als 1.000 Mitarbeiter beschäftigen, eine gesetzliche Frauenquote von 30 Prozent.

Momentan erfüllen nur acht der 33 betroffenen, im Wiener Börse Index ATX gelisteten Unternehmen diesen Anspruch, heißt es in einer Aussendung von EY. 27 Unternehmen sind von der Quote ausgenommen, da sie entweder weniger als sechs Kapitalvertreter in ihrem Aufsichtsrat haben oder in ihrer Belegschaft weniger als 20 Prozent Arbeitnehmerinnen aufweisen.

Laut EY haben derzeit nur die Bawag, die BKS Bank, die Buwog, die Erste Bank, die Post, Semperit, Valneva und die Vienna Insurance Group mehr als 30 Prozent Frauen in ihren Kontrollgremien. Durchschnittlich liegt der Frauenanteil in den Aufsichtsräten der 33 von der Frauenquote betroffenen Unternehmen bei 21,1 Prozent, vor sechs Monaten lag er bei 19,5 Prozent.  Deutschland ist da schon weiter, dort liegt der entsprechende Anteil bei knapp über 30 Prozent.

Suche nur im vertrauten Umfeld

„Die Frauenquote im Aufsichtsrat verhilft Frauen zur Sichtbarkeit“, sagt Helen Pelzmann von EY Österreich. Aufsichtsräte in Österreich seien häufig sehr homogen. „Sowohl bei den Nominierungsvorschlägen als auch bei der Wahl scheinen Aufsichtsrat und Aktionäre immer wieder auf dieselben Personenkreise oder Personen aus ihrem vertrautem Umfeld oder Netzwerk zurückzugreifen. Dort kommen Frauen häufig nicht vor.“
Die gesetzliche Quote bezieht sich nur auf Neubestellungen. Ab 2018 müssen also nicht alle infrage kommenden Betriebe die 30-Prozent-Hürde gleich überwinden. Doch sobald ein Mann einen Aufsichtsratsposten räumt, muss er von einer Frau nachbesetzt werden, bis die Quote erfüllt ist. Das wird aus oben genannten Gründen gar nicht so leicht sein. Allerdings gibt es inzwischen viele jüngere kompetente Frauen, die die Funktion eines Aufsichtsrates sehr gut ausüben können. Man muss nur den Suchradius ausweiten.

Eine wichtige Position dürfte demnächst allerdings wieder aus Frauenhand gehen: Brigitte Ederer dürfte demnächst als ÖBB-Aufsichtsratspräsidentin von Heta-Vorstand Arnold Schiefer abgelöst werden, wie die "Presse" berichtete.

Auch die Vorstandsetagen sind nach wie vor fest in Männerhand. Im Vergleich zum Stichtag 30. Juli habe sich nichts geändert, so EY. Zehn weiblichen Vorständen stehen 179 männliche gegenüber. Da die Gesamtzahl der Vorstandsposten leicht von 186 auf 189 gestiegen ist, bedeutet das einen leichten Rückgang des Frauenanteils von 5,4 Prozent auf 5,3 Prozent.