Das österreichische BIP wird bis 2014 jedes Jahr um 1,8Prozent zulegen, prognostiziert das Wifo. Besonders auf dem Arbeitsmarkt und in den Staatskassen werde die Krise aber noch lange Zeit Spuren hinterlassen.
WIEN (ag./cim).Die Nachwehen der Rezession werden noch lange anhalten: Bis 2014 wird das österreichische BIP real im Schnitt um 1,8Prozent pro Jahr zulegen. Damit wird die heimische Wirtschaft in den kommenden vier Jahren jährlich um 0,70Prozentpunkte langsamer wachsen als in den zehn Jahren vor der Finanzkrise. Damals lag das BIP-Wachstum im Schnitt bei jährlich 2,5Prozent. An diesen Wert werde das Wachstum selbst in den besten Jahren des Prognosezeitraums (2012 bis 2014) nicht heranreichen, heißt es in der Mittelfristprognose des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo).
Vor allem am Arbeitsmarkt und in den öffentlichen Haushaltskassen werde die Wirtschaftskrise ihre Spuren noch lange hinterlassen. Die Zahl der registrierten Arbeitslosen dürfte bis 2014 um gut 90.000 auf mehr als 300.000 steigen. Im Durchschnitt werde die Arbeitslosenquote (nach AMS-Definition) in den Jahren 2010 bis 2014 bei 8,1Prozent liegen.
Vorsprung Österreichs schwindet
Wächst die Wirtschaft schwächer als derzeit vom Wifo angenommen, werde die Quote höher liegen. Die Beschäftigung werde bis 2014 jährlich um 0,4Prozent zulegen. Die Zahl der Vollzeitstellen werde aber erst gegen Ende dieser vier Jahre stärker ansteigen.
Das Defizit der öffentlichen Haushalte werde heuer auf 5,25 Prozent des BIP steigen. Soll die jährliche Neuverschuldung bis 2014 wieder unter die Marke von drei Prozent gesenkt werden, müsse man neben der Verbesserung durch die Erholung der Konjunktur Maßnahmen zur Konsolidierung ergreifen, mahnt das Wifo. Solche Maßnahmen dürften ab dem nächsten Jahr die Nachfrage dämpfen.
Die Wirtschaftsforscher erwarten, dass Österreich in den nächsten Jahren seinen Wachstumsvorsprung gegenüber anderen Staaten der Eurozone verlieren wird. Schließlich haben Sondereffekte und wirtschaftspolitische Maßnahmen die Entwicklung im vergangenen Jahr begünstigt: Anders als in anderen Eurozonen-Ländern hat der private Konsum 2009 in Österreich um 0,5Prozent zulegen können, da die Steuerreform, die niedrige Inflation und die hohen Lohnabschlüsse im Jahr 2008 die Kaufkraft stabilisiert haben.
Risiko lauert im Osten
Auch durch geringere Exporte nach Zentral- und Osteuropa dürfte Österreich in den kommenden Jahren seinen Vorsprung gegenüber dem Schnitt der Euroländer einbüßen, erwarten die Wirtschaftsforscher. Das starke Engagement der Banken in Osteuropa berge außerdem noch beträchtliche Risken. Das gesamte Bankensystem bezeichnen die Wirtschaftsforscher als „fragil“.
Keine Gefahr droht hingegen durch eine hohe Inflation, schreibt das Wifo in der Prognose. Die Inflationsrate dürfte in den kommenden vier Jahren durchschnittlich 1,5Prozent betragen.
Diese mittelfristige Prognose werde allerdings nur halten, wenn sich auch die internationale Konjunktur wie erwartet verbessert.
Die Weltwirtschaft dürfte sich nach der Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) hingegen schneller erholen als bisher erwartet. Die weltweite Wirtschaftsleistung werde heuer vermutlich um mehr als drei Prozent zulegen und damit die bisherigen IWF-Prognosen übertreffen, sagte IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn.
Wie die italienische Nachrichtenagentur Ansa berichtet, will der IWF seine Prognose für das Wachstum im laufenden Jahr von derzeit 3,1 auf 3,9Prozent erhöhen. Die Welt werde sich aber ungleich erholen: Während die Schwellenländer laut IWF besonders gute Aussichten hätten, würden die Industrienationen langsamer vorankommen und von staatlichen Konjunkturprogrammen abhängig bleiben.
Weltbank: Erholung bleibt labil
Auch die Weltbank prognostiziert den Entwicklungsländern eine robuste Erholung. Der Aufschwung der Weltwirtschaft werde aber an Kraft verlieren, da die staatlichen Konjunkturprogramme ihre Wirkung einbüßen. In dem Bericht „Global Economic Prospect 2010“, der am Donnerstag vorgestellt wurde, warnt die Weltbank, dass die schlimmste Phase der Weltwirtschaftskrise zwar möglicherweise vorüber sei, die Erholung der globalen Wirtschaft aber labil bleibe.
Die Lage an den Finanzmärkten bleibe schwierig und die private Nachfrage wegen der hohen Arbeitslosigkeit schwach, heißt es. Die Folgen der Krise dürften die Rahmenbedingungen für Finanzmärkte und Wachstum in den nächsten zehn Jahren verändern.
Heuer werde das globale BIP den Weltbank-Schätzungen zufolge um 2,7Prozent und im Jahr 2011 um 3,2Prozent steigen. Der Ausblick ist unsicher: Je nachdem, wie sich Konsum und Geschäftsklima entwickeln, könnte das Plus 2011 zwischen 2,5 und 3,4Prozent liegen.
AUF EINEN BLICK
■1,8 Prozent Plus pro Jahr – das prognostiziert das Wifo der heimischen Wirtschaft für die Jahre 2010 bis 2014. Die größten Probleme bleiben Arbeitslosigkeit und der Staatshaushalt. Auch im Osten droht Gefahr: Das dortige Engagement der Banken berge noch große Risiken. Österreich werde außerdem den Wachstumsvorsprung vor anderen Euro-Ländern einbüßen. Die Inflation werde dafür niedrig bleiben.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.01.2010)