Neue Gesichter und Gesichtsbücher

Wie modernisiert man ein Museum? Man holt sich die Jungen ins Haus. Klingt simpel, tun aber nur wenige. Während der „Personalapparat“ in Mumok, MAK, Kunsthalle, KHM diesem trägen Namen alle Ehre macht, holt sich Agnes Husslein eine junge Kraft nach der anderen. Neuester kolportierter Coup: Stefan Bidner, der den „Kunstraum Innsbruck“ zum spannendsten internationalen Ausstellungsort der Stadt aufbaute, der Christoph Schlingensief, Jonathan Meese, Franz West ins Ländle holte, soll ins Belvedere wechseln.

Davor holte Husslein bereits Dorothea Köb, Tochter ihres Mumok-Kollegen, in die „Stabstelle für kuratorische Angelegenheiten“. Kiesler-Experte Harald Krejci ist seit Herbst für österreichische Kunst der Zwischen- und Nachkriegszeit zuständig. Und nach der Pensionierung des Barockkustoden Michael Krapf kümmert sich jetzt sein ehemaliger Assistent, der junge Georg Lechner (*1981), früher Vorzeigestudent des Wiener Kunstgeschichteinstituts, allein um diesen wichtigen Sammlungsteil.

Bis er Verstärkung bekommt, denn Husslein suche dringend– auch in Deutschland schon per Ausschreibung – fähige Kuratoren für Barock und das 19.Jahrhundert, sagte sie jedenfalls seufzend bei ihrer Jahrespressekonferenz. Per Facebook wird übrigens nach einem Neue-Medien-PR-Profi gefahndet, der auch die „Social Networks“ betreuen soll – ein wesentliches neues Marketingfeld für Museen. Hier werden sozusagen virtuelle „Freundesvereine“ aufgebaut, mit dem Vorteil, die „Fans“ direkt erreichen zu können, inklusive sofortigen Feedbacks.

1307 dieser „Fans“ hat das Belvedere bereits gesammelt, geschlagen in Österreich einzig vom Mumok mit 1800. Weit abgeschlagen die Nachhut: Mit 800 folgen das KHM, das Kunsthaus Graz (700), die Kunsthalle Wien (500), das Leopold Museum (280) und die Albertina (260). Das MQ sticht mit 6900 Fans zwar alle aus, zeigt damit aber nur das Potenzial für Kulturinstitutionen. Im Vergleich mit den Museen hinken die Wiener Theater im Erkennen des Facebook-Potenzials nämlich ziemlich hinten nach. Keine offizielle Burg-Seite, Volkstheater, Josefstadt – niente. Also Naturhistorisches Museum, Künstlerhaus, Wien Museum – schnell beitreten!

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.01.2010)

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