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Österreich schafft 74.000 neue Jobs

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Österreichs Wirtschaft steuert 2018 auf eine Rekordbeschäftigung zu. Laut einer Studie wird es 4,5 Millionen Erwerbstätige geben. Unternehmer tun sich allerdings immer schwerer, Fachkräfte zu finden.

Wien. Heuer erreichte die Eurozone endlich die Trendwende. Erstmals war die Zahl der Beschäftigten über dem Niveau, das vor Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008 geherrscht hatte. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY. Und die positive Entwicklung geht weiter. Im kommenden Jahr wird die Beschäftigung in der Eurozone von 155,8 auf 157,6 Millionen Menschen steigen. Das bedeutet 1,8 Millionen neue Jobs.

Österreich schwimmt auf der wirtschaftlichen Erfolgswelle mit. Auch bei uns gebe es bereits heuer Rekordbeschäftigung, betont Gunther Reimoser, Country Managing Partner von EY Österreich. „Im Jahresdurchschnitt waren knapp 4,42 Millionen Bürgerinnen und Bürger erwerbstätig. Damit sind seit 2007 unter dem Strich 407.000 zusätzliche Stellen entstanden – nur in Deutschland und Frankreich sind es mehr.“ Für das kommende Jahr rechnet EY mit 74.000 neuen Jobs in Österreich, die Zahl der Erwerbstätigen wird dann bei knapp unter 4,5 Millionen liegen. Ein wahrer Jobrekord gelang heuer Spanien. In dem krisengeschüttelten Land entstanden heuer fast 400.000 Arbeitsplätze. Dennoch ist das Land noch weit von den Beschäftigungszahlen vor der Krise entfernt.

Problem des Fachkräftemangels steigt

So erfreulich diese Entwicklung auch sein mag, auf die Arbeitslosigkeit in Österreich wirkt sie sich dennoch verhalten aus. Zwar wird sie im kommenden Jahr nach ILO-Zahlen von heuer 5,4 auf 5,1 Prozent sinken – sie bleibt aber weiterhin für österreichische Verhältnisse hoch. Erst jüngst prognostizierten die beiden großen heimischen Wirtschaftsforschungsinstitute Wifo und IHS für 2018 eine Arbeitslosenquote von acht Prozent (8,5 Prozent sind es heuer). Somit ist die Arbeitslosigkeit bei uns noch nicht auf dem niedrigen Niveau von vor der Krise. Doch damit ist Österreich in guter Gesellschaft. Nur in drei Euroländern gibt es weniger Arbeitslose als 2007: in Deutschland, der Slowakei und auf Malta.

Österreich und viele andere Industrieländer stehen vor einem großen Problem: Obwohl die Arbeitslosigkeit nach wie vor relativ hoch ist, finden viele Unternehmen nur sehr schwer geeignete Mitarbeiter. „Der Arbeitsmarkt für Akademiker und Facharbeiter ist vielerorts leer gefegt. Das könnte für den Standort Österreich zu einem echten Problem und zu einer Innovations- und Wachstumsbremse werden“, warnt Reimoser. Fachkräftemangel könnte dazu führen, dass internationale Konzerne Investitionen dort tätigen, wo sie die besten Mitarbeiter finden. „Wir brauchen daher umso mehr eine zukunftsgerichtete Migrationspolitik. Zuwanderung kann einen wichtigen Beitrag zur Fachkräftesicherung leisten“, sagt Reimoser.

Gefahr droht von den USA

Bleibt die Frage: Wer oder was könnte die europäische Wirtschaft von ihrem Erfolgskurs abbringen? Der Chefökonom der Berenberg Bank, Holger Schmieding, meint: „Unser Aufschwung wird dereinst wohl durch einen Schock von außen, beispielsweise eine US-Rezession 2020 oder 2021, beendet.“ Ausgerechnet von der viel zitierten Zugmaschine der Weltwirtschaft geht die größte Gefahr aus. Schmieding fürchtet, dass es in den USA neuerlich zu Übertreibungen bei Krediten, Investitionen, Wohnbau oder bei den Immobilienpreisen kommt, „die in einer Rezession bereinigt werden müssen“.

EZB-Niedrigzinspolitik birgt Risken

Eine steigende Inflation würde von den Notenbanken mit steigenden Zinsen beantwortet – und dies könnte den Wirtschaftsmotor abwürgen. Dieser Meinung ist auch Andreas Rees, Deutschland-Chefvolkswirt der UniCredit. Er glaubt zwar, dass die kurz vor Weihnachten beschlossene Steuersenkung „dem Aufschwung im kommenden Jahr neue Impulse verleihen“ könnte, doch dann sei in den USA die Luft raus. „Schließlich stecken die USA im drittlängsten Aufschwung der vergangenen hundert Jahre“, sagt Rees.

Der Sachverständigenrat in Deutschland hingegen warnte in seinem Jahresgutachten für die Bundesregierung vor den schlummernden Gefahren, die von der Europäischen Zentralbank ausgehen. „Infolge der Niedrigzinspolitik sind die Risken im Finanzsystem weiter angestiegen“, heißt es. Und wie stark Verwerfungen im Finanzsystem die Realwirtschaft treffen können, hat schon die Finanzkrise 2008 gezeigt. (gh/ag.)

INDUSTRIEBOOM

Rekordwerte.

Auch die österreichische Industrie beendet das Jahr mit Rekordwerten. Der Einkaufsmanagerindex der Bank Austria, ein Konjunkturindikator, ist im Dezember auf das neue Allzeithoch von 64,3 Punkten geklettert. Das sei das stärkste Wachstum der Industrie seit Beginn der Umfrage vor fast 20 Jahren. Seit mittlerweile 21 Monaten in Folge entstehen in der Industrie neue Jobs. Heuer wurden in der Industrie 18.000 Arbeitsplätze geschaffen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.12.2017)