Schnellauswahl

Woran sie erkennen, dass jemand lügt

Pixabay
  • Drucken
  • Kommentieren

Kolumne "Hirt on Management". Folge 62. Es ist nicht die lange Nase.

In unserer Rubrik „Hirt on Management“ beantwortet Michael Hirt, Managementexperte und -berater, Executive Coach und Keynote Speaker alle zwei Wochen Fragen von Managern zu herausfordernden Situationen und kritischen Entscheidungen.

Frage:

Woran kann ich erkennen, dass mich jemand anlügt?

Michael Hirt antwortet:

Es ist für Manager wichtig, dass sie psychologische Grundfähigkeiten entwickeln, um ihre Aufgaben wirksam erfüllen zu können.

Zum Beispiel ist es wichtig, ein Gefühl dafür entwickeln zu können, wenn jemand einen anlügt.

Eine Lüge bzw. Täuschung zu identifizieren ist kein einfacher Prozess und es benötigt normalerweise jahrelange Erfahrung, bevor es einem gelingt, eine vorsätzliche Lüge zu erkennen.

Widersprüche in den Handlungen oder Aussagen der betreffenden Person deuten nicht notwendigerweise eine Lüge an, genauso wie Widerspruchsfreiheit nicht notwendigerweise eine Garantie für die Wahrheit der Aussagen sind.

Allerdings können bestimmte Verhaltensmuster oder wiederkehrende Widersprüche einen Hinweis auf eine Lüge geben:

Die Körpersprache der Person stimmt nicht mit ihrer sprachlichen Aussage überein. Zum Beispiel wird eine sehr belastende Erfahrung aus einer sehr entspannten Körperhaltung heraus erzählt. Bei der Interpretation der Körpersprache ist aber mit großer Vorsicht vor zu gehen, weil große individuelle und kulturelle Unterschiede bestehen.

Die Person berichtet über Informationen, über die sie aufgrund ihrer Position oder Seniorität gar nicht verfügen sollte.

Die Weitergabe der Informationen bringt der betreffenden Person einen hohen Nutzen. Das bedeutet nicht automatisch, dass die Informationen falsch sind, aber, dass sie mit besonderer Sorgfalt überprüft werden müssen.

Mangelnde Details in der Erzählung. In vielen Fällen wird falscher Information ein gewisser Detailgrad mangeln. Oft gelingt es einem durch nachfragen diese Schwäche, die oft bei spontanen Lügen auftritt, aufzudecken.

Bei mehrfachen Fragen wird immer die gleiche Antwort, mit genau den gleichen Worten und den gleichen Details gegeben. Das könnte darauf hindeuten, dass die Person sich auf die Lüge vorbereitet hat und sich eine Geschichte zurecht gelegt hat, die sie jetzt immer wieder wortgleich wieder gibt.

Die Person verwendet eine Sprache oder ein Vokabular, die nicht ihrer Berufswelt oder Ausbildung entspricht. Das könnte ein Hinweis auf eine Lüge sein.

Die Person beantwortet zwar die Fragen, gibt aber ausweichende Antworten, die zwar möglicherweise inhaltlich richtig sind, aber die spezifische Frage nicht konkret beantworten.

Die Person ist nervös, zum Beispiel schwitzt sie und zeigt andere Zeichen von Nervosität, wie zum Beispiel physische Unruhe. Hier gilt es darauf zu achten, ob es sich um allgemeine Nervosität, die mit der Befragung an sich zu tun hat, oder um spezifische Nervosität, die mit einem bestimmten Thema oder mit einer bestimmten Frage zu tun hat, handelt. Auch bei Nervosität in Bezug auf ein bestimmtes Thema, muss nicht unbedingt eine Lüge vorliegen, denn das Thema kann die Person auch einfach stark emotional betreffen.

 

Das Wichtigste in Kürze

Eine Lüge bzw. Täuschung zu identifizieren ist kein einfacher Prozess und es benötigt normalerweise jahrelange Erfahrung, bevor es einem gelingt, eine vorsätzliche Lüge zu erkennen. Allerdings können bestimmte Verhaltensmuster oder wiederkehrende Widersprüche einen Hinweis auf eine Lüge oder Täuschung sein.

 

In „Hirt on Management“ beantwortet Michael Hirt, Managementexperte und -berater, Executive Coach, Keynote Speaker und Buchautor alle 2 Wochen Fragen von ManagerInnen zu herausfordernden Situationen und kritischen Managemententscheidungen.

Schicken Sie Ihre Fragen an Michael Hirt an: karrierenews@diepresse.com

Die Fragen werden anonymisiert beantwortet.

Ausblick: Die nächste Kolumne von Michael Hirt erscheint am 18. Jänner 2018 zur Frage: Klassische Prognosefehler und wie Sie diese vermeiden.

Hier finden Sie die gesammelten Kolumnen.

Dr. Michael Hirt, geboren 1965 in Wien, ist Managementexperte und -berater, Executive Coach, Keynote Speaker und Buchautor. Hirt verhilft Führungskräften zu schnellen Leistungs- und Ergebnissteigerungen, mit hoher Auswirkung auf den Erfolg ihres Unternehmens. Er studierte in Österreich, Kanada (McGill) und Frankreich (INSEAD MBA) und ist weltweit tätig.