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Katalonien-Krise bedroht Spaniens Wachstum

Wahl in Katalonien December 21 2017 Barcelona Catalunya Spain Supporters of Esquerra Republic
imago/ZUMA Press
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Katalonien war der Wirtschaftsmotor Spaniens - und ist nun zum großen Unsicherheitsfaktor geworden. Nach dem Unabhängigkeitsreferendum sind über 3200 Firmen aus der Region abgewandert.

Mit Spannung blickt Spanien auf die Regierungsbildung in Barcelona nach den katalanischen Regionalwahlen vom 21. Dezember. Am 17. Jänner kommt das Regionalparlament zusammen. Bis zum Ende des Monats muss eine neue Regierung gebildet werden.

Da die separatistischen Parteien erneut eine absolute
Parlamentsmehrheit bilden können, kann man davon ausgehen, dass sich der Unabhängigkeitskonflikt zwischen Barcelona und Madrid fortsetzt. Und das bedeutet nicht nur politisch, sondern auch wirtschaftlich unsichere Zeiten für die viertgrößte Volkswirtschaft der Eurozone.

Trotz der im europäischen Vergleich noch immer hohen Arbeitslosigkeit wächst die spanische Wirtschaft nach der Rezession
mittlerweile wieder kräftig. Die spanische Notenbank geht für 2018
von einem Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 2,4 Prozent und für 2019 von 2,1 Prozent aus.

Drei Prozent Wachstum?

Ob sich Spanien weiter von der langjährigen Krise erholt, hänge
vom "Unsicherheitsfaktor Katalonien" ab, sagte Spaniens
konservativer Regierungschef Mariano Rajoy (PP) am Mittwoch. "Wenn Katalonien zu Normalität und Stabilität zurückkehrt, kann auch 2018 ein Jahr des Wachstums werden", so Rajoy. In diesem Fall könnte die spanische Wirtschaft um über drei Prozent wachsen und bis zu 500.000 neue Arbeitsplätze geschaffen werden.

Doch derzeit sieht die Lage anders aus - vor allem in Katalonien
selber, dem bisherigen Wirtschaftsmotor Spaniens, der fast 20
Prozent des gesamten spanischen Bruttoinlandproduktes
erwirtschaftet. Trotz des vorläufigen Scheiterns des
Unabhängigkeitsprozesses sind die wirtschaftlichen Folgen enorm.
Nach dem Unabhängigkeitsreferendum vom 1. Oktober und der
anschließenden Ausrufung der katalanischen Republik haben bereits
3208 Unternehmen ihren Firmensitz von Katalonien in andere Regionen Spaniens verlegt.

Arbeitslosigkeit in Katalonien steigt

"Firmen brauchen Rechtssicherheit. Banken den Zugang zur
Europäischen Zentralbank. Sollten die Separatisten ihren Weg in die
Unabhängigkeit jetzt wieder aufnehmen, könnte das unvorstellbare
wirtschaftliche Folgen für Katalonien und ganz Spanien haben", warnt auch Josep Bou, Präsident des katalanischen Unternehmerverbands, im Gespräch mit der APA.

Auch die Arbeitslosigkeit in Katalonien ist deutlich stärker gestiegen als in anderen Regionen des Landes. Allein im Oktober nahm die Zahl der Arbeitslosen um 3,7 Prozent zu, während es im Landesdurchschnitt nur 1,7 Prozent waren.

Ähnliche Auswirkungen hatte die politische Instabilität auf den Tourismus. Während die Touristenzahlen bis Ende November landesweit um 3,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr 2016 stiegen, gingen sie nach Angaben des nationalen Statistikamtes INE in Katalonien, Spaniens beliebtestem Urlaubsziel, nach den islamistischen Attentaten im August in Barcelona und nach dem von Gewalt überschatteten Unabhängigkeitsreferendum Anfang Oktober um 4,7 Prozent zurück. Die Investitionen im katalanischen Immobilienmarkt sanken im Vergleich zum Vorjahr um 17 Prozent, während landesweit ein Plus verzeichnet wurde.

Die Katalonien-Krise hat Spanien nach Einschätzung von
Wirtschaftsminister Luis de Guindos bisher etwa eine Milliarde Euro
gekostet. Die Region sei vom Wirtschaftsmotor "zu einer Last"
geworden, so de Guindos im Radiosender Cadena Ser.

 

(APA)