Spotify vor Sprung an die Börse

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Symbolbild. (c) REUTERS (Christian Hartmann)
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Laut Medienberichten hat Spotify die Erlaubnis zum Börsengang in New York beantragt. Es soll dabei um eine Direktnotierung gehen, geplant für das erste Halbjahr 2018.

Stockholm. Der 2008 lancierte schwedische Online-Musikdienst Spotify wächst in beachtlichem Ausmaß. Die einen feiern ihn als digitalen Retter der kriselnden Musikbranche. Andere kritisieren den Dienst, weil er Urheberrechte teilweise nicht respektieren und Künstlern zu wenig auszahlen soll.

Nun mehren sich die Zeichen für einen Börsengang. Spotify soll im Dezember bei der US-Börsenaufsicht SEC einen vertraulichen Antrag auf Börsenzulassung an der New Yorker Börse gestellt haben. Dies berichten die Webseite Axion, das „Wall Street Journal“ und die „Financial Times“. Sie berufen sich auf mehrere Quellen.

Dabei soll Spotify eine Direktplatzierung anstreben. Das ist ein ungewöhnlicher Weg. Bestehende Firmenanteile würden damit ohne das übliche Preisbildungsverfahren direkt an der Börse angeboten, ohne dass Spotify durch eine Aktienneuemission frisches Kapital hereinholt. Laut „Financial Times“ soll Spotify derzeit kein zusätzliches Kapital benötigen. Allerdings können neue Aktien zu einem späteren Zeitpunkt ausgegeben werden.

Nach den Medienberichten dürfte mit dem direkten Börsengang im März oder April 2018, spätestens aber vor dem Ende des ersten Halbjahres gerechnet werden. Laut „Financial Times“ ließ sich Spotify bei den Investmentfirmen Morgan Stanley, Goldman Sachs und Allen & Co. zur Börsenotierung beraten. Im Stockholmer Spotify-Hauptsitz wurden die Medienangaben bislang nicht kommentiert, aber auch nicht dementiert. Noch im Sommer 2017 sagte Spotify-Gründer Martin Lorentzon dem öffentlich-rechtlichen Radio Schweden (SR), Gerüchte von einem Börsengang seien „völlig aus der Luft gegriffen“. Ob er nun seine Meinung geändert hat? Im Frühjahr 2017 wurde der Börsenwert von Spotify auf zehn Milliarden Dollar (8,3 Mrd. Euro) geschätzt. Laut Analysten könnte der Firmenwert wegen der rapide steigenden Kundenschar inzwischen bei 20 Mrd. Dollar liegen. Schon länger wird über einen Börsengang spekuliert.

140 Millionen Kunden

Ein Hindernis dafür könnte die fast zeitgleich mit dem Antrag zum Börsengang im Dezember eingereichte Klage des Musikverlags Wixen Music Publishing sein. Dem gehören Lizenzen von berühmten Songs wie „Light My Fire“ von The Doors. Vor dem Bundesgericht in Kalifornien wirft der Verlag Spotify vor, Tausende von Songs unerlaubt benutzt zu haben. Der Verlag fordert Schadenersatzzahlung von mindestens 1,6 Milliarden Dollar.

Spotify ist mit großem Abstand Marktführer im Musikstreaminggeschäft. Den Nutzern stehen dabei rund 30 Millionen Songs zur Verfügung. Laut eigenen Angaben hat Spotify 140 Millionen Kunden weltweit, davon nutzen rund 60 Millionen die werbefreie Premiumversion, für die rund zehn Euro pro Monat zu bezahlen sind. Die Musik kann dabei über Computer oder Smartphones gehört und zum Offline-Gebrauch heruntergeladen werden. Konkurrent Apple Music hatte im September über 30 Millionen zahlende Nutzer.

Spotify macht allerdings noch immer keine Gewinne. Im Juni 2017 wies das Unternehmen für das Geschäftsjahr 2016 eine Umsatzsteigerung zum Vorjahr um 52 Prozent auf 28,6 Mrd. Kronen (2,9 Mrd. Euro) aus. Allerdings steigerte sich der Verlust zum Vorjahr um 133 Prozent auf 539 Mio. Euro. Dies meldete die schwedische Zeitung „Dagens Industri“ unter Berufung auf das von Spotify in Luxemburg ausgewiesene Geschäftsergebnis.

Plattenfirmen halten 18 Prozent

Freilich könnte es Spotify letztlich besser gehen, als diese Zahlen vermuten lassen. Aus einem anderen Dokument, das Spotify laut der Zeitung „Computer Sweden“ beim Luxemburger Firmenregistrierungsamt eingereicht hat, gehören den weltgrößten Plattenfirmen seit Langem insgesamt 18 Prozent des Streamingdienstes. Und Letztere konnten ihre Gewinne dadurch deutlich erhöhen. Sony BMG soll 5,8 Prozent halten, Universal Music 4,8 Prozent, Warner Music 3,8 Prozent und EMI 1,9 Prozent. Durch die Abtretung der Firmenanteile für insgesamt nur 100.000 Kronen habe man die misstrauischen Plattenfirmen ins Boot geholt. Wenn das zutrifft, könnten die unternehmerischen Muskeln von Spotify deutlich größer sein, als aus dem Geschäftsbericht hervorgeht.

AUF EINEN BLICK

Spotify, Marktführer im Musikstreaminggeschäft, plant unbestätigten Medienberichten zufolge den Börsengang in New York. Das Unternehmen hat eigenen Angaben zufolge 140 Millionen Kunden, von denen rund 60 Millionen für den werbefreien Premiumdienst bezahlen. Trotz starker Umsatzsteigerungen macht Spotify jedoch noch keine Gewinne.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.01.2018)

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