Kiki Kogelnik zum 75er: Sie war mehr!
Kann der Idiot nicht endlich aufhören zu fotografieren?“, fragte der heutige MAK-Chef Peter Noever genervt seine fesche Begleiterin, irgendwann in den 70er-Jahren in einem New Yorker Straßencafé. Heute wäre er selig darüber! „Das ist Andy Warhol“, erklärte Kiki Kogelnik ihrem österreichischen Besucher lapidar.
Die 1935 geborene Kärntner Künstlerin war ein exotisches Wesen auf gleich zwei Kontinenten: In Wien mischte sie mit ihrer extravaganten Art und bunten Malweise die schwer nachdenkliche Nachkriegs-Avantgarde rund um Msgr. Otto Mauer auf. In New York – wohin sie 1962 im Schlepptau des Malers Sam Francis übersiedelte – machte sie die Meister der „Pop Art“ dagegen mit ihrer europäischen Hintergründigkeit nervös. Auf ihren Silvesterpartys trafen sich Stars wie Liechtenstein und Claes Oldenburg, die Kogelniks Arbeiten aber durchaus anerkannten.
Kam die schöne Künstlerin in ihren auffälligen Outfits auf Heimatbesuch, sorgte sie für Aufsehen: „Wien war nicht vorbereitet, ein Schritt von ihr war ein Klescher, der die Leute von der Straße gefegt hat“, erzählt Noever. All diese Erinnerungen an die 1997 mit 62 Verstorbene – vom Verlobten Arnulf Rainer, Sommerfreund Hans Hollein bis zum Sohn Mono – hat ORF-Kunstredakteurin Ines Mitterer jetzt in einem TV-Porträt zusammengefasst, das ebenso charmant herantänzelt, wie es Kogelniks Art entsprochen haben muss. Sie war eben einfach eine „Bezauberung“, schwärmt da ein Fan.
Ein Kompliment mit Schattenseiten, erinnert sich Kogelniks New Yorker Ateliernachbarin, die große Performancekünstlerin Carolee Schneeman: „Wir waren dazu da, die männliche Kunstwelt zu dekorieren, wir waren sexy Maskottchen.“ Die trotzdem ihren Weg gingen. Aus heutiger Sicht kann man sagen, dass Kogelnik eine Pionierin war. Nicht wegen ihrer kitschigen Murano-Glasköpfe, für die sie berühmt wurde. Aber für ihre performanceartigen Selbstinszenierungen, die Künstlerinnen in der vorfeministischen Zeit sichtbar machten, für ihr „Moon-Happening“, parallel zur ersten Mondlandung in der Galerie St.Stephan, und für ihre „Cuttings“, die menschlichen Schablonen, die sie in den 60er-Jahren auf Kaufhausständer hängte.
„Kikis Kosmos“, Sonntag, 24.1., 9.30, ORF2
("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.01.2010)