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Ein wahrlich glänzender Jahresauftakt

Der Goldpreis setzt seine steile Bergfahrt vom vergangenen Jahr nahtlos fort.
Der Goldpreis setzt seine steile Bergfahrt vom vergangenen Jahr nahtlos fort.APA/ROBERT JAEGER

Der Höhenflug beim Goldpreis setzte sich in der ersten Handelswoche 2018 fort. Vieles spricht für das Edelmetall.

Während der Motor auf den Aktienmärkten am ersten Handelstag 2018 etwas ruckelte, setzte der Goldpreis seine steile Bergfahrt vom vergangenen Jahr nahtlos fort. Am Mittwoch stieg er nach neun Plustagen in Folge auf über 1320 Dollar je Feinunze. So viel hatte das gelbe Edelmetall zuletzt Mitte September des Vorjahres gekostet. Seit dem Jahr 2011 hat es keine vergleichbare Gewinnserie mehr gegeben. Unter dem Strich legte der Preis 2017 um über 14 Prozent zu. Ein beträchtlicher Teil davon entfällt freilich auf die jüngste Preisentwicklung seit dem Tief bei 1240 Dollar Mitte Dezember.

Der fallende Dollar erwies sich als tragende Stütze, zeigt Gold doch seit jeher eine gegenläufige Entwicklung zur US-Währung. Sie hatte Ende Dezember im Handel mit anderen wichtigen Währungen deutlich an Wert verloren. Dies macht das in Dollar gehandelte Gold in Ländern außerhalb des Dollarraums günstiger, was wiederum die Nachfrage ankurbelt. Dazu kommt freilich auch, dass die kurz rückläufigen Aktienmärkte in den letzten Dezemberwochen für eine deutlich gesteigerte Nachfrage nach dem Edelmetall gesorgt haben. Und die Unruhen im Nahen Osten trugen das Ihre zur Preisentwicklung bei.

Als charttechnisch wichtig erweist sich nicht nur, dass die V-Formation zum Jahreswechsel bullish aufgelöst wurde, sondern auch, dass die horizontale Begrenzungslinie von gut 1300 Dollar nun nach oben durchbrochen wurde. Über Monate hinweg war Gold in der Handelsspanne zwischen 1260 und 1300 Dollar gefangen. Mit dem Durchbruch über 1300 Dollar ist nun auch der Weg bis 1358 Dollar frei, wo das Rekordhoch aus dem Vorjahr als nächster Widerstand wartet. Dass diese Hürde genommen werden kann, ist natürlich nicht ausgemacht. Gold müsste vor allem dann um seinen Status fürchten, wenn die Notenbanken ihre ultralockere Geldpolitik schneller straffen würden als erwartet, was sich vorerst allerdings nicht abzeichnet.

Insgesamt bleibt Gold als sicherer Hafen in politisch turbulenten Zeiten (Konflikte in Nahost, Donald Trumps unsteter Politikstil, Spannungen des Westens mit Russland, ausstehende Koalitionsbildung in Deutschland, Brexit, . . .) weiter attraktiv. Auch seitens institutioneller Investoren wird es derzeit vermehrt nachgefragt. Und „wichtige Nachfrageländer wie Indien und China haben immer noch Nachholbedarf“, schreibt Frank Schallenberg, Analyst der Landesbank Baden-Württemberg.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.01.2018)