Das BIP-Wachstum im dritten Quartal war mit 11,1 Prozent das größte der G-20-Länder. Der Kreditversicherer Coface warnt vor Finanz- und Wechselkursrisiken.
Die türkische Wirtschaft hat in den ersten drei Quarten 2017 um 7,4 Prozent zugelegt, womit die Erwartungen nach den Schocks 2016 deutlich übertroffen wurden. Das BIP-Wachstum im dritten Quartal war mit 11,1 Prozent das größte der G-20-Länder. Der Kreditversicherer Coface warnt aber vor den großen Finanz- und Wechselkursrisiken, die die Türkei verwundbar machten.
Als besondere Gefahr sieht Coface das strukturelle Finanzierungsdefizit. Der Credit Guarantee Fund (CGF), ein Kreditgarantieprogramm der Regierung für kleine und mittlere Unternehmen, habe die Banken zu Kreditvergaben simuliert, wodurch das Kredit-Einlagen-Verhältnis in der zweiten Jahreshälfte 2017 auf 125 Prozent angewachsen sei. "Damit steigen nicht nur die direkten Bankrisiken, sondern auch die Wechselkursrisiken", so Coface am Dienstag in einer Aussendung. Dies wiederum könnte ausländische Geldgeber abschrecken.
Stärker von Finanzinvestoren abhängig
Das Wechselkursproblem hänge mit dem Leistungsbilanzdefizit zusammen. "Das Defizit wird primär über kurzfristige Kapitalzuflüsse konsolidiert. Die Situation könnte sich zuspitzen, wenn die Türkei noch mehr kurzfristiges Kapital aufwenden müsste, um das externe Defizit zu finanzieren", erklärte der Kreditversicherer. So würde die Türkei stärker von globalen Finanzinvestoren abhängig und ein Wechselkursschock wahrscheinlicher. Weiters müsse die Türkei steigende Kreditzinsen fürchten, was die Investitionslust dämpfen würde.
Coface-Mananger Michael Tawrowsky geht davon aus, dass die Inflation steigen wird. "Die Abwertung der Lira seit September 2017 dürfte den Inflationsdruck auf Verbraucherpreise und Produktionskosten weiter erhöhen."
(APA)