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Mitterlehner: Bankensteuer macht Kredite teuer

Mitterlehner: Bankensteuer macht Kredite teuer
(c) APA (Georg Hochmuth)
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Mitterlehner und Liebscher warnen in der TV-Debatte "Im Zentrum" vor der Einführung einer Bankensteuer in Österreich, weil dadurch Kredite für Konsumenten teurer werden könnten. Höheres Eigenkapital wäre sinnvoller.

VP-Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner und "Banken-ÖIAG"-Vorstand Klaus Liebscher lehnen für Österreich eine Bankensteuer ab, wie sie SPÖ-Bundeskanzler Werner Faymann in Anlehnung an jene von US-Präsident Barack Obama einführen möchte. Beide warnten am Sonntagabend in der TV-Debatte "Im Zentrum" vor einer möglichen Verteuerung von Krediten für Firmen und Konsumenten und sprachen sich stattdessen für eine Verstärkung des Eigenkapitals der heimischen Banken aus.

SPÖ: Ausnahme für KMU-Kredite

Erste-Group-Chef Andreas Treichl meinte, Faymann hätte nicht einfach die Obama-Idee kopieren sollen, schließlich würden die Banken die Wirtschaft finanzieren. SP-Finanzstaatssekretär Andreas Schieder beharrte auf der Abgabe, jedoch könne man problematische Bereiche wie etwa KMU-Kredite davon ausnehmen.

Mitterlehner warnte davor, gerade jetzt in einer Konsolidierungsphase eine "falsche Steuer" einzuführen, mit der Kredite teurer würden. "Steuererhöhungen sollten wirklich nur als letztes Mittel übrigbleiben." Er würde sich vielmehr Kreditaktionen wünschen und günstiges Kapital für die Unternehmen. Statt einer Abgabe, für die die Kunden die Zeche zahlen müssten, sollte besser die schlecht ausgebildete Eigenkapitalunterlegung aufgestockt und bei den Regelsystemen, den Bankprodukten und der Aufsicht angesetzt werden.

Ähnlich argumentierte Ex-Notenbank-Gouverneur Liebscher, der sich für "verschärfte Eigenkapitalbestimmungen, von denen auch der Kunde was hat", aussprach und für ein "weg von einer solchen Sondersteuer" plädierte. Ansonsten könnte es sich womöglich um "eine reine Geldbeschaffungsmaßnahme" handeln. Statt einer neuen Abgabe sollte man in Österreich "mit Krisenprävention agieren".

Treichl: Bankensteuer bremst Wirtschaft

Treichl sagte, das größte Problem der Finanzkrise, die in der Folge auf die Realwirtschaft übergegriffen hat, sei die Jugendarbeitslosigkeit - und die könne am besten bekämpft werden, indem man der Wirtschaft mit billigem Geld ein Wachstum ermögliche. "Ob da eine Bilanzsummensteuer hilft?", fragte Treichl in die Runde: "Sie ist, glaube, ich eines der schlechtesten Mittel dagegen."

SPÖ: Banken sollen Budgetloch stopfen

SP-Staatssekretär Schieder räumte ein, dass man das schwache Pflänzchen Wachstum nicht umbringen wolle, der Staat brauche aber mehr Geld zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit. Und wenn im Budget noch eine Lücke bleibe, so solle man auch darüber reden, welchen Beitrag Banken leisten könnten. Daher wäre es aus seiner Sicht richtig, in Österreich eine Bilanzsummensteuer in Höhe von 0,07 Prozent, also der halben Höhe wie in den USA, einzuführen, die laut Faymann 500 Mio. Euro im Jahr bringen soll.

Für Eva Glawischnig, Bundessprecherin der Grünen, sollten mit einer Bankensteuer "gewisse unerwünschte Geschäfte gedämpft oder ausgeschaltet" werden, wie dies ähnlich auch Erste-Chef Treichl als mögliche Lenkungsfunktion einer solchen Abgabe anklingen ließ. Zwar sehe sie den Faymann-Vorschlag als "unbedachten Schnellschuss" an, doch gebe es in Österreich "berechtigte Wut", da gerade in den vergangenen Monaten bestimmten Teilen der Wirtschaft "ganz rasch geholfen" worden sei, etwa der Hypo Alpe Adria.

Attac: Banken zu mächtig

Karin Küblböck von der globalisierungskritischen Organisation Attac Österreich meinte, auch österreichische Banken hätten spekulative Geschäfte begangen und seien deshalb mit schuld an der Destabilisierung des Finanzsektors und an der Krise. Daher sei die Bankensteuer natürlich notwendig. Im übrigen seien die Banken zu groß und mächtig geworden und sollten wieder auf ihre eigentlichen Aufgaben zurückgeführt werden.

 

(APA)