Beatrix Karl
Die Baustellen der neuen Ministerin
Auf Beatrix Karl wartet jede Menge Arbeit, sie muss sich einer Reihe dringender Probleme widmen. Die wichtigsten reichen von der Explosion der Hörerzahlen bis zur Frage, wer FH-Studiengänge genehmigt.
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Das Unbehagen mit der Bologna-Struktur, respektive dem Bachelorstudium: In vielen Fällen wurde das alte achtsemestrige Diplomstudium in den neuen sechssemestrigen Bachelor hineingepresst. Obwohl die Studienpläne in der Autonomie der Universitäten liegen, wird vom Ministerium ein Ausweg aus dieser Misere erwartet.
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Die Budgetsituation war wie die Bachelor-Master-Struktur ein Hauptgrund der Studentenproteste. In der zweiten Jahreshälfte wird das Wissenschaftsbudget 2011 verhandelt. Ob sich da Josef Pröll, der ja auch Finanzminister ist, eine wirklich starke Person aussucht? Der Budgetbedarf wird weiter steigen, weil ja auch die Studentenzahlen steigen werden.
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Die Explosion der Hörerzahlen wird im Sommer für Aufregung sorgen: Neben der (normalen) Steigerung der Inländerwird eine deutsche Welle auf Österreichs Unis zurollen. Denn in Deutschland fällt nach der Streichung des 13. Schuljahrs in diesem Jahr ein doppelter Abiturjahrgang an, den die deutschen Hochschulen bei Weitem nicht aufnehmen können.
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Österreich hat mit dem Notfallsparagrafen in der UG-Novelle dafür gesorgt, dass in jenen Fächern, in denen in einem deutschen Bundesland, ja selbst an einer einzelnen deutschen Universität ein Numerus clausus besteht, eine Zugangsbeschränkung eingeführt werden kann. Wenn aber eine deutsche Beschränkung erst im Sommer verfügt wird, kommt dieser Paragraf für Österreichs Universitäten zu spät. Da sind die Nachbarn bereits da.
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Die FTI-Strategie (Forschung/Technologie/Innovation) muss ausgehandelt werden. Insgesamt sechs Stellen – Kanzleramt, die Ministerien für Finanzen, Infrastruktur, Wissenschaft, Wirtschaft und Unterricht – sind daran beteiligt, alle wollen ein möglichst großes Stück. Das Wissenschaftsressort muss mit kluger Verhandlungsstrategie einen ausreichenden Förderungskuchen für die Uni-Forschung, die Akademie der Wissenschaften und den FWF (Grundlagenforschung) herausholen.
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Das Projekt „Qualitätssicherung neu“ muss endlich gelöst werden. Derzeit urteilen drei Agenturen über die Genehmigung von FH-Studiengängen, die Akkreditierung von Privatunis und die Verleihung von Zertifikaten. Jetzt soll eine einzige Instanz geschaffen werden.
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Obwohl das Wissenschaftsministerium das kleinste eigenständige Ressort dieser Regierung ist, wird sich die neue Ministerin nicht auf eine lange Einarbeitungszeit berufen können. Eine Studentengruppe hat bereits eine Frist gesetzt: Wenn am 12. März in Wien eine internationale Konferenz zum Bologna-Prozess tagt, will man das Treffen mit Demonstrationen würzen. Denn dass bis dahin eine für alle befriedigende Reform des Bachelor- und Masterstudiums umgesetzt wird, ist nicht möglich.
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Die künftige Nachfolgerin von Johannes Hahn wurde am 10. Dezember 1967 in Graz geboren und studierte in ihrer Heimatstadt Rechtswissenschaften. Seit 2003 ist sie außerordentliche Universitätsprofessorin für Arbeitsrecht, Sozialrecht und Europarecht an der Universität Graz.
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