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Was schallt bloß so fern so kurz und grell aus dem All?

Radioteleskop bei Nacht
Radioteleskop bei Nacht(c) imago/Ikon Images (imago stock&people)
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Der eigenartigste aller Radioblitze, FRB 121102, hat sich wieder vernehmen lassen. Er bleibt ein noch größeres Rätsel als die anderen.

Als Astrophysiker Jerry Ehrman am 15. August 1977 am Radioteleskop Big Ear der Ohio State University ein Muster detektierte, für das er keine natürliche Ursache sah, notierte er „Wow!“. Es ging als „Wow-Moment“ in die Geschichte ein, es war der erste Hinweis auf eine mögliche fremde Intelligenz, es blieb der einzige, obwohl die Teleskope jener, die danach suchen – Search for Extraterrestrial Intelligence (Seti) – immer größer wurden.

Und obwohl immer mehr Geld floss: 2015 stellte der Investor Juri Milner 100 Millionen Dollar für das Seti-Projekt „Breakthrough Listen“ zur Verfügung, der Physiker Stephen Hawking gab seinen Namen dazu. In diesem Projekt wird vor allem die nähere Umgebung abgetastet, bisweilen aber lauscht man auch weit hinaus, drei Milliarden Lichtjahre. Dort wurde am 2. November 2012 ein „Fast Radio Burst“ gesichtet und nach dem Datum benannt: FRB 121102. FRBs sind extrem kurze Ausbrüche im Radiowellenbereich, man weiß nicht, was hinter ihnen steht, den ersten bemerkte man 2006, derzeit sind um die 30 Quellen dokumentiert.

Von Außerirdischen? Eher nicht!

Aber keiner ist wie FRB 121102, er zeigt sich immer wieder, bisher über 200 Mal, seine Radioblitze waren zwischen 30 Mikro- und neun Millisekunden lang. Das ermöglichte die Lokalisierung des Herkunftsorts und brachte zuletzt noch eine Besonderheit ans Licht, man bemerkte sie im Vorjahr am Radioteleskop Arecibo in Puerto Rico (bevor es von einem Hurrikan beschädigt wurde): Die Wellen kommen in einer Form, die sich nur dadurch erklären lässt, dass sie nicht weit von ihrer Quelle ein extrem starkes Magnetfeld gequert haben. Der Fund wurde vom Green Bank Telescope in den USA bestätigt, von Seti-Mitarbeiter Vishal Gajjar im Rahmen von „Breakthrough Listen“, er registrierte am 26. August 15 Ausbrüche: „Wir können die ET-Hypothese für FRBs nicht komplett ausschließen“, erklärt er nun und meint damit nicht, dass Außerirdische Signale schicken – gar in unsere Richtung –, sondern, dass sie mit den Wellen etwa Raumschiffe in anderen Galaxien mit Energie versorgen.

Aber das ist eine so entlegene Möglichkeit, dass sie in der von Gajjar mit verfassten Publikation nicht erwogen wird (Nature, 10. 1.). Allein die schwer vorstellbare Energie spricht dagegen: In einer Millisekunde strahlt FRB 121102 so viel wie unsere Sonne an einem ganzen Tag ab. Dahinter können nur gewaltige kosmische Phänomene stehen, die Forscher setzen der Kürze der Blitze wegen auf einen rotierenden Neutronenstern – das extrem dichte Endstadium eines massereichen Sterns –, der in seiner Umwelt ein extrem starkes Magnetfeld und extrem hohe Temperaturen hat, so etwas kennt man nur bei massiven Schwarzen Löchern.

Es könnten aber auch Reste einer Supernova oder magnetisierter kosmischer Staub mitspielen. „Wir kennen den Mechanismus wirklich nicht“, konzediert Gajjar, und ShamiChatterjee (Cornell) ergänzt: „Es ist exotisch. Wenn wir so etwas in unserer Galaxie hätten, würde es das Radio auf der Erde unterbrechen, und die Handys auch. Was immer dort geschieht, ist zum Fürchten.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.01.2018)