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Wiens "schlampiger" Umgang mit Kulturdenkmälern

(c) FABRY Clemens
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Ein bröckelndes Rathaus, die vernachlässigte Hermesvilla oder die ausstehende Sanierung der Höhenstraße. Die ÖVP fordert ein Sonderbudget gegen den "Verfall" des Wiener Kulturerbes.

Die ÖVP fordert ein Sonderbudget der Stadt gegen den Verfall des Wiener Kulturerbes. Die Bezirke seien mit der Aufgabe finanziell überfordert, konstatierte Klubchef Matthias Tschirf am Montag. Prominentestes Beispiel für den miserablen Zustand mancher Baudenkmäler ist in Augen der ÖVP das bröckelnde Rathaus. Hier sei nur die Schauseite zum Rathausplatz saniert, die übrigen Flügel würden jedoch verfallen: "Abgebrochene Ornamente, Figuren ohne Kopf und Gliedmaßen, aber auch die Verschmutzung der Fassade ist erheblich."

Meist müssten die Bezirke die Sanierung denkmalgeschützter Bauten finanzieren, was aufgrund des Budgetdrucks jedoch so lange hinausgeschoben werde, bis vernünftige Maßnahmen nicht mehr finanzierbar seien. Als Beispiel nannte Tschirf die Josefstadt, die bei einem Bezirksbudget von 2,1 Mio. Euro mit der Instandsetzung der Jugendstil-Toilettenanlagen im Schönbornpark für eine Viertelmillion völlig überfordert sei.

Der Sonderfonds solle deshalb von den Bezirken für ihre Sanierungen abrufbar sein. Dabei wäre ein Kostenersatz von 100 Prozent wünschenswert, zumal die Stadt von den restaurierten Baudenkmälern profitiere. Schließlich würden oft die kleinen Preziosen ein Stadtbild prägen, so Tschirf.

Während in der Ära Zilk noch darauf Wert gelegt wurde, lasse die Regierung unter Bürgermeister Häupl die historische Bausubstanz Wiens "verrotten", so die ÖVP. Beispiel für die Vernachlässigung durch die Stadt seien etwa die Hermesvilla im Lainzer Tiergarten, die Forstvilla im Dehnepark, die virulent verfalle, oder der St. Marxer Friedhof.

Trauriger Fall Werkbund-Siedlung

Ein trauriger Fall sei auch die Werkbund-Siedlung: "Heute ist die Stadt Wien nicht in der Lage und nicht willens, die damals als Beispiel der Weltoffenheit sozialdemokratischer Bauarchitektur gefeierte Einrichtung entsprechend instand zu halten."

Daneben gebe es zahlreiche weitere Fälle wie den Linienwall als letzter Abschnitt des Wehrmauerrings, die mit Graffiti verschmierten einstigen Stadtbahnstationen Otto Wagners oder die ausstehende Sanierung der Höhenstraße, die in ihren Originalzustand aus den 1930er Jahren zurückversetzt gehöre.

55 Millionen Euro für Sanierungen

Die SPÖ ist verwundert über die Forderungen der ÖVP. Tschirf beweise, wie wenig er sich mit den Dingen auseinandergesetzt habe, so Wiens SPÖ-Klubchef Siegi Lindenmayr. Allein über den Altstadterhaltungsfonds seien von der Stadt seit 2001 rund 55 Millionen Euro in Sanierungen geflossen.

(APA/Red.)