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Boeing stürzte brennend ins Meer

LIBANON. Ein Flugzeug der Ethiopian Airlines krachte Montagfrüh kurz nach dem Start in Beirut ins Mittelmeer. Alle 90 Insassen starben. Mögliche Unfallursache: Blitzschlag.

Beirut/Addis Abeba (ag.).Koffer. Teile von Flugzeugsitzen. Ein Kinderplastikschwert. Und Leichen. Was gestern, Montag, an den Strand des Dorfes Naameh, 15 Kilometer südlich von Beirut, geschwemmt wurde, waren Zeichen jener Katastrophe, die sich gegen zwei Uhr vierzig in der Früh vor der Küste ereignet hatte: Eine Boeing 737-800 der Ethiopian Airlines war aus noch ungeklärter Ursache ins Meer gestürzt. Entgegen ersten Berichten, die von Überlebenden sprachen, starben alle 90 Insassen.

 

Jet war relativ neu

Die Boeing, die mit Baujahr 2002 relativ neu war, fiel laut Augenzeugen brennend vom Himmel, es wird von einem lauten Knall in der Höhe berichtet. Zum Zeitpunkt des Starts um 2.35h Ortszeit herrschte ein Gewitter – ein Sprecher des Flughafens von Beirut sagte, die Maschine, die nach Addis Abeba unterwegs war, sei von einem Blitz getroffen worden.

Die meisten Passagiere, nämlich 54, waren laut Angaben der Fluglinie Libanesen, 22 Äthiopier. Weitere Opfer waren Briten, Franzosen, Russen, Syrer, Kanadier, Iraker. Auch die Frau des französischen Botschafters in Beirut starb.

Schiffe und Helikopter suchten in der Absturzregion fünf Kilometer vor der Küste nach Trümmern und Körpern. Kriegsschiffe des vor dem Libanon kreuzenden internationalen Flottenverbandes, der den Schmuggel von Waffen in den Libanon verhindern soll, nahmen daran teil, darunter deutsche, zypriotische und italienische Einheiten. Bis zum Nachmittag wurden etwa 20Leichen gefunden; von einem deutschen Minensuchboot aus wurden drei Körper geborgen.

 

Attentat unwahrscheinlich

Libanons Behörden schlossen ein Attentat aus. Schuld gewesen sei „im Prinzip“ das Wetter, so Verteidigungsminister Elias al-Murr. Freilich sagte der Chef der Airline, Girma Wake, er glaube nicht, dass der Kapitän bei wirklich gefährlichen Bedingungen gestartet wäre.

Inwieweit Blitze Flugzeuge vom Himmel holen können, ist umstritten. Sie sind so gebaut, dass sie wie ein Faraday'scher Käfig wirken und Strom an ihrer Außenhaut entlangfließt, und die elektronischen Systeme sind geschützt. In nur einem halben Dutzend der Fälle der neueren Luftfahrtgeschichte geht man ernsthaft von Blitzen als Absturzursache aus; eventuell könnten sie aufgrund von Hitze und Druck die Hülle beschädigen oder ernste Schäden anrichten, wenn sie ein Triebwerk treffen.

 

Afrikas Vorzeigefluglinie

Ethiopian Airlines ist eine der modernsten Fluglinien Afrikas, die 2008 mit 37 Fliegern und 5300 Mitarbeitern etwa 2,8Millionen Menschen befördert hat. Eine Boeing-767 der Firma war 1996 in eines der spektakulärsten Unglücke verwickelt: Sie war entführt worden, und da der Sprit ausging, musste der Pilot unmittelbar vor dem Strand einer Insel der Komoren im Indischen Ozean notwassern. Dabei überschlug sich die Boeing, 125 der 175 Insassen starben.

LEXIKON

Der Absturz vor dem Libanon
ist das schwerste Flugunglück seit Sommer. Zuletzt starben im Juli 2009 alle 168 Insassen einer Tupolew, die im Iran abstürzte. Juni 2009: 153 Tote beim Absturz eines jemenitischen Airbus vor den Komoren – ein Mädchen überlebt. Im selben Monat stürzte ein Air-France-Airbus vor Brasilien ins Meer: Alle 228 Insassen starben.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.01.2010)