„Verstehe Unmut der Studierenden“

ERSTE POSITIONEN. Beatrix Karl will als Wissenschaftsministerin mit den Hörsaalbesetzern in den Dialog treten. Gegen 20-Prozent-Ausweitung der Neuen Mittelschule.

„Die Presse“: Nach Ihrer Angelobung kommen Sie als frischgebackene Ministerin auf den Minoritenplatz. Was wird Ihre erste Tat sein?

Beatrix Karl: Eine der ersten wird mein Antritt als Ministerin im Parlament sein. Dort werde ich am Freitag meine Ziele präsentieren.

Als ÖVP-Wissenschaftssprecherin haben Sie schon Erfahrungen mit Uni-Politik: Wie haben Sie die Hörsaalbesetzungen miterlebt?

Karl: Ich kann den Unmut der Studierenden in einzelnen Punkten tatsächlich verstehen. Ich verstehe, dass Studierende kritisieren, wenn sie in überfüllten Hörsälen sind. Wir haben wir tatsächlich ein Problem mit manchen Massenstudien. Denn da leidet die Qualität, das geht zulasten der Studierenden und der Lehrenden.

Haben Sie Finanzminister Pröll auch gesagt, dass die Unis mehr Geld benötigen?

Karl: Ja, natürlich wünsche ich mir für die Universitäten mehr Geld, und ich werde das auch in die Budgetverhandlungen einbringen. Man muss natürlich sehen, dass Gio Hahn ein gutes Budget verhandelt hat, nämlich von 2010 bis 2012 ein Plus von 17 Prozent. Aber ich stehe natürlich dazu, dass wir zwei Prozent des BIPs bis 2020 im tertiären Bildungsbereich erreichen wollen, wobei es nicht nur um öffentliche Mittel, sondern auch um private Mittel geht.

Sie sind für Studiengebühren, Sie sind für Zulassungsbedingungen. Da sind ja fast wieder neue Studentenproteste angesagt.

Karl: Ich werde natürlich mit den Studierenden diskutieren, das ist klar. Ich trete mit ihnen gerne in den Dialog. Aber es läuft ja momentan der Hochschuldialog, der von Gio Hahn im November initiiert worden ist, da sind auch die Vertreter der Hörsaalbesetzer eingeladen, und ich hoffe, dass sie sich konstruktiv einbringen. Wenn sie dialogbereit sind, bin ich auch sehr gerne dialogbereit.

Sie gelten als sachpolitisch äußerst kompetente Politikerin. Wird da nicht die persönlich-menschliche Note zu kurz kommen?

Karl (lacht): Das befürchte ich nicht. Ich werde mich bemühen, dass das nicht so ist.

Sie sind eine deklarierte Befürworterin der Gesamtschule. Wird jetzt Claudia Schmieds neue Mittelschule (NMS) zur Regelschule werden?

Karl: Die neue Mittelschule ist eine Aufwertung der Hauptschule. Das finde ich sehr positiv und begrüßenswert. Es handelt sich um Modellversuche, die erst evaluiert werden müssen. Man muss aber berücksichtigen, dass wir keine Ressourcengerechtigkeit haben, weil die neuen Mittelschulen mehr Mittel und Personal zur Verfügung haben.

Soll im kommenden Schuljahr noch eine Ausweitung der NMS auf 20Prozent kommen?

Karl: Wenn es tatsächlich ein Modellversuch ist, kann man diesen nicht beliebig ausweiten. Wichtig ist, die Evaluierung abzuwarten.

Soll das Gymnasium in der Langform bleiben?

Karl: Ja. Es spricht im Moment nichts gegen die Langform des Gymnasiums.

AUF EINEN BLICK

Beatrix Karl studierte Rechtswissenschaften an der Karl-Franzens-Universität in Graz, wo sie 1991 Assistentin am Institut für Arbeits- und Sozialrecht wurde. 2003 wurde sie zur außerordentlichen Professorin ernannt. Seit November 2006 ist Karl Nationalratsabgeordnete, seit Dezember 2008 auch Wissenschaftssprecherin der Volkspartei. Im Sommer 2009 wurde Karl zur Generalsekretärin des ÖVP-Arbeitnehmerbundes ÖAAB bestellt. Heute, Dienstag, wird sie von Bundespräsident Heinz Fischer als neue Wissenschaftsministerin angelobt. Karl folgt Johannes Hahn nach, der als EU-Regionalkommissar nach Brüssel wechselt. Sie ist 42 Jahre alt und ledig. [APA]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.01.2010)

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