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Ökonom: Nächste Blase platzt auf Wachstumsmärkten

Citigroup
(c) AP (Seth Wenig)
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"Es würde mich überraschen, wenn es nicht so kommt", sagt der Chefökonom der Citigroup. Heißeste Kandidaten sind Brasilien, Russland, Indien und China. Der Einfluss auf andere Regionen werde groß sein.

Nach der von den USA und anderen Industrieländern ausgegangenen Finanzkrise ist nach Einschätzung des Chefökonomen der Citigroup, Willem Buiter, die nächste Blase an den rasant wachsenden Schwellenländern samt Zusammenbruch schon vorprogrammiert. Auf Sicht von drei bis fünf Jahren erwartet der Ökonom das nächste "Boom-Bubble-Burst"-Szenario in großen Wachstumsmärkten wie etwa Brasilien, Russland, Indien und China, also den sogenannten "BRIC"-Staaten.

"Es würde mich überraschen, wenn es nicht so kommt", erklärte der ehemalige London School of Economics-Professor Buiter vor Journalisten in Wien. Der von ihm erwartete Einbruch werde zwar nicht "das Ende der Welt" bedeuten, aber einen deutlichen Wachstumsknick in den boomenden Volkswirtschaften. Bis dahin werden die betroffenen Länder dank ihres rasanten Wachstums aber bereits rund die Hälfte zum globalen Bruttoinlandsprodukt beitragen, der erwartete Einbruch wird daher auch einen entsprechenden Einfluss auf andere Regionen haben, so Buiter.

China: Anzeichen konjunktureller Überhitzung

China zeigt nach Einschätzung des Ökonomen bereits erste Anzeichen einer konjunkturellen Überhitzung. Die Citigroup prognostiziert für China für heuer ein Wirtschaftswachstum von 9,8 Prozent und für 2011 von 9,0 Prozent. Die chinesische Nationalbank hat angesichts der Ängste vor zu schnellem Wachstum und Inflation wie berichtet bereits Mitte Jänner mit einer Anhebung der Mindestreserve-Anforderungen für Banken eine Straffung der geldpolitischen Zügel eingeleitet.

Die US-Notenbank Fed dürfte nach Einschätzung der Citigroup-Ökonomen Ende 2010 mit einer Erhöhung der zuletzt auf nahezu Null zurückgefahrenen Leitzinsen beginnen. Die europäische Zentralbank (EZB) sollte erst später als die Fed die Zinszügel straffen, erwartet der Citigroup-EZB-Experte Jürgen Michels. Erst Anfang 2011 erwartet Michels erste Zinserhöhungen, andere restriktive geldpolitische Maßnahmen könnten aber schon deutlich früher erfolgen.

Sorgenkind Griechenland

Mit Sorge verfolgen die Citigroup-Experten auch die Entwicklung der angeschlagenen Wirtschaft in Griechenland. Am Montag hatte Griechenland zwar erfolgreich eine Staatsanleihe platziert und damit Geld in die Staatskassen gespült. Die Nachfrage nach der Anleihe war dreimal so hoch wie das Angebot, die Rückzahlung der Anleihe werde Griechenland aber teuer kommen. Die Verzinsung liegt mehrere Prozentpunkte über jener vergleichbarer deutscher Anleihen, erklärt Buiter.

Griechenland drohe damit in eine Schuldenspirale zu schlittern. Aber auch in anderen Industrie-Ländern beobachtet Buiter eine Explosion der öffentlichen Verschuldung. Zahlungsunfähigkeit als letzte Konsequenz erwartet Buiter für Griechenland oder andere Volkswirtschaften zwar nicht, erstmals seit sehr langer Zeit könne dieses Szenario aber nicht generell ausgeschlossen werden. Es hänge dabei stark von nationalen wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen ab, ob die Regierungen auf fiskalpolitische Maßnahmen oder Geldentwertung als Exit-Strategie setzen, um der Verschuldung zu begegnen.

USA: Entschuldung über Inflation

Als wahrscheinlicher Kandidat für eine teilweise Entschuldung über Inflation gelte die USA. So konnten die USA von 1946 bis 1974 das Verhältnis von Verschuldung zu BIP deutlich von 121 auf 32 Prozent senken, die Inflation habe dabei annähernd gleich viel zur Entschuldung beigetragen wie das reale Wachstum, rechnet Buiter vor. In der Eurozone mit ihrer verhältnismäßig unabhängigen und auf Geldstabilität ausgerichteten Notenbank ist eine derartige Strategie allerdings nicht möglich, hier müssten andere Strategien verfolgt werden.

Die Volkswirte der Citigroup prognostizieren derzeit für die Eurozone nach dem Einbruch von 3,8 Prozent im abgelaufenen Jahr für 2010 wieder ein BIP-Wachstum von 1,3 Prozent und für 2011 von 1,4 Prozent. Für Griechenland errechnen die Experten einen BIP-Rückgang von 0,4 Prozent im Jahr 2010 und wieder ein Wachstum von 0,6 Prozent 2011. Für die USA wird ein robusteres Wachstum von 2,9 Prozent (2010) bzw. 3,3 Prozent (2011) erwartet.

(APA)