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Führungsfehler

Wenn du machst, was du immer gemacht hast

(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Ein Technologieunternehmen. Eine Forschungsabteilung, die schon lange nichts Bahnbrechendes mehr entwickelt hatte. Was tun?

Frisches Blut muss her, rief ein eigens engagierter externer Berater. Wer Standardbewerber sucht, wird Standardmitarbeiter bekommen. Machen wir doch alles anders als sonst.

Der Geschäftsführer war begeistert. Der übliche Headhunter seines Vertrauen auch, wenngleich mit säuerlichem Lächeln. Um sicherzugehen, dass diesmal alles ganz anders war, spannte der Geschäftsführer Headhunter und Berater zusammen. Bringt mir Querdenker!

Die formulierten ein gegen den Strich gebürstetes Inserat und freuten sich über die eintrudelnden Bewerbungen:

Bewerber Nr.1 kam zum Vorstellungsgespräch mit seiner Mutter.
Bewerber Nr.2 war nachlässig gekleidet.
Bewerber Nr.3 schien vom Duschen nicht viel zu halten.
Bewerber Nr.4 stotterte.
Bewerber Nr.5 redete wie ein Wasserfall, kannte sich in der Materie aus, ging aber auf die Fragen des Headhunters nicht ein.

Der externe Berater riet zu Nr.2 und Nr.5. Der Headhunter schüttelte den Kopf. Unmöglich, beide wären sicher nicht nach dem Geschmack des Geschäftsführers.

Wie durch ein Wunder zog er plötzlich zwei weitere Kandidaten aus dem Zylinder, gebildet, nett und angepasst. Die stellte der Geschäftsführer auf seine Empfehlung hin ein.

Und so kam es, dass sich in der Forschungsabteilung nichts, rein gar nichts änderte. Wenn du machst, was du immer gemacht hast, bekommst du, was du immer bekommen hast.

Sicher keine bahnbrechenden Erfindungen.

 

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Ähnlichkeiten mit realen Personen oder Unternehmen sind zufällig und nicht beabsichtigt.

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