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Wienwert-Gruppe vor Insolvenz: 40 Mio. Euro Schaden für Anleihenkäufer

Die Presse (Clemens Fabry)
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Wie viele Anleger von der Pleite betroffen sein werden, ist noch nicht bekannt. "Das Risiko war für Kundige erkennbar", sagt FMA-Vorstand Helmut Ettl.

Der Schaden für die Käufer von Anleihen der vor der Insolvenz stehenden Wienwert-Gruppe dürfte bis zu 40 Millionen Euro betragen, sagte FMA-Vorstand Helmut Ettl in einem Ö1-Mittagsjournal-Interview am Donnerstag. Bei den verkauften Anleihen habe es sich um einfache Finanzprodukte gehandelt. "Das Risiko war für Kundige erkennbar", sagte Ettl. Wie viele Anleger betroffen sind, sei noch unbekannt.

Wienwert sei von der FMA sehr kritisch beobachtet worden. Für die Beaufsichtigung des Unternehmens sei sie jedoch nicht zuständig gewesen. Der Verkauf von scheinbar sicheren Anleihen am Finanzmarkt, die suggerierte Nähe zur Stadt Wien und die hohen versprochenen Renditen verführten Anleger immer wieder, in solche Richtungen zu investieren. Die FMA habe vom ersten Tag an sehr konsequent gehandelt, und alle Kompetenzen, die sie habe, ausgereizt, "weil wir gesehen haben, dass da was am Markt passiert, was ziemlich wichtig war und haben versucht, Öffentlichkeit herzustellen, haben unser Strafausmaß ausgenutzt", so Ettl. Allerdings sei es jedem erlaubt, etwas am Markt zu verkaufen. Wenn bestimmte Bedingungen eingehalten werden, könne man es nicht verbieten.

FMA darf komplexe und gefährliche Finanzprodukte verbieten

Seit Jahresbeginn sei es der FMA auch möglich, komplexe und gefährliche Finanzprodukte zu verbieten. Bei Wienwert hätte die FMA dennoch nicht anders gehandelt. Die Wienwert-Anleihen seien keine komplexen Produkte, sondern relativ einfache Anleihen. Das Risiko dahinter sei auch für jeden, der kundig ist und sich das genau angeschaut habe, erkennbar gewesen. "Solche Sachen wird es immer wieder geben, da können wir nur an die Anleger appellieren: Schauen Sie sich ganz genau das Risiko an. Wer hohe Renditen verspricht, da ist auch hohes Risiko dahinter, und nicht überall, wo Immobilie drauf steht, ist auch ein sicheres Investment".

Wie viele Anleger betroffen sind, könne man noch nicht sagen. Es seien auch noch nicht alle Wienwert-Anleihen im Status der Zahlungsunfähigkeit. In den kommenden Tagen werden auch die Gerichte zu entscheiden haben, wie es hier weitergeht.

KSV-Insolvenzexperte Hans-Georg Kantner geht davon aus, dass die Pleite der Wiener Immobiliengruppe Wienwert bei Kleinanlegern zu einem Schaden von fünf bis zehn Millionen Euro führen wird. Genauer lasse sich das schwer einschätzen, weil das Volumen der zum Handel zugelassenen Anleihen nur schwer einschätzbar sei, sagte Kantner. Mit einem baldigen Insolvenzantrag rechnet der KSV-Experte nicht. Dieser dürfte erst in einer Woche oder zehn Tagen eingebracht werden, weil er zuerst vorbereitet werden müsse und es sich um eine komplexe Unternehmensgruppe handle.

Ettl rät betroffenen Anlegern, sich beraten zu lassen. Mit dem Verein für Konsumenteninformation (VKI), der Beratungen für Kleinanleger übernehme, habe die FMA schon Kontakt aufgenommen. Hilfe für betroffene Anleger bietet auch der Verein Cobin claims an, der im Vorjahr die Ermittlungen gegen die Wienwert-Gruppe ausgelöst hatte. Die nicht gewinnorientierte Plattform prüfe rechtliche Optionen. Betroffene könnte sich online melden, so der auf Sammelklagen bei Massenschäden spezialisierte Verein in einer Presseaussendung.

"Wirtschaftlicher Insolvenzzeitpunkt früher anzunehmen"

"Tatsächlich wird man davon ausgehen müssen, dass der wirtschaftliche Insolvenzzeitpunkt deutlich früher anzunehmen ist", so Vereinsvorstand Manfred Biegler, der schon länger die Vorgänge in der Wiener Immobiliengruppe verfolgt, in einer Presseaussendung.

Das "Geschäftsmodell" durchlief laut Biegler seit den ersten Anleiheplatzierungen in 2010 einen typischen 7-Jahres-Zyklus bis zur Insolvenz. "Der Schaden wird - wie bei diesen 'Modellen' üblich - durchaus eine Größenordnung von bis zu 60 Mio. Euro erreichen können", so Biegler. Er ortet ein "typisches, multiples Kontrollversagen aller Instanzen wie wir es von zahllosen Finanzskandalen in der Vergangenheit kennen. Die von uns immer wieder vorgetragenen Kritik am Funktionieren der Finanzmarktaufsicht wird leider wieder einmal bestätigt."

(APA)