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Wohnen um Millionen – oder um fünf Euro

Stadtansicht Kitzbühel
Stadtansicht Kitzbühel(c) imago/Roland Mühlanger (imago stock&people)

In Kitzbühel erreichen die Grundstückspreise Rekordwerte. Mit unkonventionellen Lösungen hilft die Gemeinde den Einheimischen.

Es hat schon etwas: Man blickt hinüber auf die Streif, genießt ein Panorama vom Großvenediger über die Grasberge und den Hahnenkamm bis zum Massiv des Wilden Kaisers, und hat den ganzen Tag Sonne. Als „Sonnberg“ wird die Wohngegend in den Anzeigen der Immobilienmakler beschrieben. „Sunnseite“, sagen die Einheimischen in Kitzbühel dazu. Nur wohnen hier kaum Einheimische, weil sie es sich nicht leisten können.

Wenn Makler davon erzählen, dass ein Haus in Kitzbühel um fast 40 Millionen Euro verkauft worden sei, dann stand es vermutlich auf dieser Seite der Stadt. Fantastische Grundstückspreise von 6000 Euro pro Quadratmeter und mehr? Ja, die bezahlt man hier.

Aber auch in schattigeren Gegenden in Kitzbühel ist das Wohnen nicht billig. 1500 Euro kostet ein Baugrund pro Quadratmeter gleich einmal, Eigentumswohnungen in Kitzbühel werden um 8000 Euro pro Quadratmeter und mehr gehandelt, Mietwohnungen haben preislich die Dimension von Nobellagen in Wien.

Kitzbühel ist eine begehrte Wohngegend bei den Vermögenden dieser Welt. Nicht als Heimat, aber als Zweitwohnsitz. Offiziell sind 1287 der 7300 Wohnungen und Häuser in Kitzbühel Zweitwohnsitze (knapp 17 Prozent). Inoffiziell sprechen Makler von „mehr als einem Drittel“. Und weil Baugründe und Wohnungen nicht mehr werden, steigen seit Jahren die Preise. Fast 70 Immobilienmakler können von der Vermittlung recht gut leben. In anderen Gegenden Österreichs hat bei 8000 Einwohnern ein einziger Immobilienmakler zu kämpfen.

Umwidmung mit Bedingungen

„Ja, die Wohnsituation ist eine Herausforderung für die er Stadt“, sagt Bürgermeister Klaus Winkler. Da sich die Jungen Kitzbühel nicht mehr leisten könnten, wandern sie ab. Seit Jahren stagniert die Einwohnerzahl, im langfristigen Vergleich ging sie zurück. Um den Trend zu stoppen, hat die Stadt eine bemerkenswerte Initiative gestartet: Noch heuer sollen sich Jungfamilien um fünf Euro pro Quadratmeter (inklusive Betriebskosten) eine Wohnung mieten können. 32 Zwei- und Dreizimmerwohnungen werde man vergeben, erklärt Winkler.

Möglich sind die günstigen Wohnungen, weil die Stadt einem gemeinnützigen Bauträger den Baugrund um einen symbolischen Euro zur Verfügung gestellt hat. Auch sonst hat man kreative Lösungen, um das Wohnen billiger zu machen. So kauft die Gemeinde günstig Grünland und widmet es dann in Bauland um. Dafür, dass der Besitzer verkauft, bekommt auch er für einen Teil eine Baulandwidmung. „Die Aufteilung ist üblicherweise ein Viertel zu drei Vierteln“, erklärt Winkler. Drei Viertel für Einheimische, wohlgemerkt, ein Viertel für den freien Markt.

Die Baugründe werden um 180 bis 230 Euro pro Quadratmeter an Kitzbüheler verkauft. Seit 2007 hat man so 374 günstige Wohneinheiten geschaffen, darunter 80 Grundstücke für Einfamilienhäuser. Für die Verkäufer war die Umwidmung immer noch ein Lottogewinn: Die frei verkauften Flächen erreichten Quadratmeterpreise von 3000 Euro und mehr.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.01.2018)