Der stark verschuldete griechische Staat benötigt heuer 53 Milliarden Euro an frischem Geld. Knapp die Hälfte davon soll aus dem Reich der Mitte kommen, Geld ist in den Tresoren genügend vorhanden.
Wien (jaz). China ist nicht nur die „Werkbank der Welt“ und seit Kurzem Exportweltmeister, Das Reich der Mitte mutiert auch immer mehr zum Financier anderer Staaten – vornehmlich jener des Westens. Die langjährige Symbiose zwischen China und den USA ist bekannt: China verkauft den Amerikanern Waren und erwirbt mit den dabei eingenommenen Dollar-Milliarden US-Staatsanleihen. Dadurch ermöglichen die Chinesen den USA deren kontinuierliche Verschuldung.
Nun hoffen angeblich auch die stark verschuldeten Griechen auf chinesische Dollar, auch wenn sie das offiziell dementieren. So plant Athen die für heuer benötigten Staatsanleihen im Ausmaß von 53 Mrd. Euro in Peking, Shanghai und Hongkong extra zu bewerben. Finanzminister George Papaconstantinou will diesen Städten im Februar im Rahmen einer Roadshow einen Besuch abstatten. Laut eines Berichts der „Financial Times“ hoffen die Griechen, rund die Hälfte des Geldes im Reich der Mitte aufnehmen zu können.
Viel Geld im „Safe“
Geld ist in den Tresoren der Pekinger „State Administration of Foreign Exchange“ – offizielle Abkürzung: „Safe“ – genügend vorhanden. Per Ende 2009 verwalteten die Safe-Manager 2400 Mrd. Dollar (1709,5 Mrd. Euro). Allerdings hätten die Chinesen auch schon eine „signifikante Zahl“ an griechischen Anleihen gezeichnet, weshalb sie skeptisch seien, weiter in das stark verschuldete Land zu investieren, heißt es laut „FT“ aus dem Umfeld von Safe.
Anders sahen das jene Investoren, die sich für die Anfang dieser Woche ausgegebene griechische Fünfjahresanleihe im Ausmaß von acht Mrd. Euro interessiert haben. In Summe gingen laut dem Chef der griechischen Finanzagentur Spyros Papanikolaou Gebote im Ausmaß von fast 25 Mrd. Euro ein, die Anleihe war somit mehr als dreimal überzeichnet. Den Verantwortlichen in Athen dürfte somit ein großer Stein vom Herzen gefallen sein. Im Vorfeld gab es Befürchtungen, wonach sich nicht genügend Käufer für die Papiere finden könnten.
Für das große Interesse dürfte die hohe Rendite gesorgt haben. So wollte die griechische Regierung bei diesem „Lackmustest“ auf jeden Fall einen Erfolg einfahren und gab sich spendabel. Aufgrund der hohen Risikoaufschläge erhielten die Anleger eine Verzinsung von 6,2Prozent. Die Rendite lag somit um 3,6Prozentpunkte höher als bei vergleichbaren deutschen Anleihen. Ob dieses hohe Niveau bei den kommenden griechischen Anleihen weiter gehalten wird, ist jedoch fraglich. Die große Nachfrage könnte laut Analysten die „Angst vom Markt nehmen“, wodurch weitere Papiere wieder günstiger würden.
Horrendes Budgetdefizit
Das Problem von Griechenland ist durch das frische Geld jedoch noch lange nicht beseitigt. Das Land hadert mit dem höchsten Budgetdefizit aller Euroländer. 2009 betrug es knapp 13Prozent des BIPs und überstieg die Maastricht-Grenze von drei Prozent somit um das Dreifache. Die im Herbst abgewählte Regierung hatte zudem bei den Zahlen „geschummelt“, was zu einer wahren Schockwelle durch die europäischen Finanzministerien und Zentralbanken geführt hat.
Die neue Regierung will mit einem harten Sanierungskurs den Euro-Stabilitätspakt – zumindest bei der Neuverschuldung – wieder einhalten. Ein Plan, den die EU-Kommission genau prüfen will. Die dabei notwendigen harten Maßnahmen dürften das Land in den kommenden Monaten öfters vor eine Zerreißprobe stellen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.01.2010)