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"Geld gefehlt": Burschenschaft Germania distanziert sich von Liederbuch

Udo Landbauer geht auf Distanz zur schlagenden Burschenschaft "Germania".
Udo Landbauer geht auf Distanz zur schlagenden Burschenschaft "Germania".APA/GEORG HOCHMUTH

FPÖ-NÖ-Spitzenkandidat Udo Landbauer stellte nach dem "Falter"-Bericht über ein Liederbuch der Burschenschaft seine Mitgliedschaft ruhend. Diese gibt an, das Buch schon länger erneuern zu wollen.

Die nach einem "Falter"-Bericht in Kritik geratene Burschenschaft Germania hat sich am Dienstagabend von den in der Wochenzeitung zitierten Liedtexten distanziert. Man lehne "jede Diskriminierung von Religionen zutiefst ab sowie jegliche Art von Antisemitismus", hieß es in einer Stellungnahme gegenüber der Austria Presse Agentur (APA).

"Die pennale Burschenschaft Germania distanziert sich von jeder Verherrlichung der Verbrechen der NS-Diktatur", ließ die Burschenschaft wissen. Das Liederbuch sei vor 21 Jahren gedruckt worden. Warum überhaupt "derart menschenverachtende Liedertexte abgedruckt wurden beziehungsweise nicht restlos entfernt wurden", soll bei einer Versammlung der Verbindung am Mittwoch geklärt werden, hieß es weiters.

"Hat an Geld gefehlt"

Philip Wenninger, stellvertretender Obmann der Mittelschülerverbindung, erklärte gegenüber der APA, dass man seit Jahren das 1997 gedruckte Liederbuch erneuern wolle. Bisher habe es aber am Geld gefehlt, soll es doch ein ledergebundenes Buch werden. Wie die nun publik gewordenen Texte, in denen der Judenmord verherrlicht wird, in das Liederbuch kamen, sei nun zu klären. Die Germania zu Wiener Neustadt hat laut Wenninger rund 70 Mitglieder und wurde 1917 gegründet.

Udo Landbauer, Spitzenkandidat der niederösterreichischen FPÖ bei der Landtagswahl am Sonntag, hatte am Dienstag bekannt gegeben, dass er seine Mitgliedschaft bei der Germania nach Bekanntwerden der Vorwürfe ruhend stellt. FPÖ-Landesparteiobmann Walter Rosenkranz stellte sich in einer Aussendung hinter Landbauer. Dieser habe sich stets klar von antisemitischem und rassistischem Gedankengut abgegrenzt. Das Ruhendstellen der Mitgliedschaft sei der richtige Schritt gewesen, so Rosenkranz.

Kritik von anderen NÖ-Kandidaten

Für die niederösterreichische ÖVP sind die Vorwürfe gegen Landbauer "unglaublich schwerwiegend". Sie müssten "jedenfalls restlos aufgeklärt werden", forderte ÖVP-Landesgeschäftsführer Bernhard Ebner. Neos-Spitzenkandidatin Indra Collini zeigte sich schockiert. Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, bleibe Landbauer "als einzige Konsequenz der Rücktritt", teilte sie in einer Aussendung mit: "Dieser Stil und diese Geisteshaltung haben in Niederösterreich und vor allem in der nächsten Landesregierung keinen Platz."

Aus der SPÖ Niederösterreich gibt es ebenfalls Rücktrittsforderungen. Landbauer müsse "die massiven Vorwürfe um das Liedgut seiner Burschenschaft aufklären oder sofort zurücktreten", ließ SPÖ-Bundesgeschäftsführer Max Lercher am Dienstagnachmittag verlauten. Vom freiheitlichen Landesobmann Walter Rosenkranz forderte er rasch Konsequenzen ein, "sonst macht sich die FPÖ als Partner für jede politische Zusammenarbeit in Niederösterreich untragbar".

Erst am Samstag hatte das Nachrichtenmagazin "profil" berichtet, dass Landbauer im Jahr 2010 - als er bereits Spitzenfunktionär der Freiheitlichen Jugend war und im selben Jahr Stadtrat in Wiener Neustadt wurde - einen rechtsextremen Verein ("Junge Patrioten") unterstützt haben soll. Die FPÖ sah in diesen Vorwürfen "linke Polemik" im Wahlkampf-Finale und schlägt nun in dieselbe Kerbe: Es sei "mehr als durchsichtig, wenn das linksextreme Wiener Nischenmagazin 'Falter' unseren untadeligen niederösterreichischen Kandidaten Udo Landbauer anpatzen will, indem man ihm die Mitverantwortung für eine 20 Jahre alte Geschichte andichten möchte", ließ FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky wissen.

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