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Sind Trumps Strafzölle auf Solaranlagen ein Schuss nach hinten?

Elke Mayr / WB
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US-Präsident Donald Trump will nach eigenen Angaben mit den neuen Strafzöllen auf Solaranlagen Arbeitsplätze in den USA retten - und könnte doch genau das Gegenteil erreichen.

Die US-Solarbranche rechnet damit, dass wegen der neuen Strafzölle auf Solaranlagen allein in diesem Jahr 23.000 Arbeitsplätze wegfallen, fast jeder zehnte Job in dem Bereich. Denn was den Herstellern der Solarpanels nutzen soll, schadet den Installateuren der Anlagen massiv. Sie rechnen mit Umsatzrückgängen, weil sich wegen der höheren Preise für die Panels weniger Investoren für eine neue Solaranlage entscheiden. "Wir sind deswegen mit dieser Entscheidung überhaupt nicht glücklich", sagte Abigail Ross Hopper, Präsidentin des US-Solarenergieverbands.

Die Branche geht davon aus, dass wegen der Zölle allein in diesem Jahr fast ein Fünftel weniger Solaranlagen installiert werden dürften. Die Analysten von Wood Mackenzie bezifferten den Rückgang für die kommenden fünf Jahre auf zehn bis 15 Prozent. Pavel Molchanov von Raymond James schätzt den Preisanstieg für Anlagen auf Wohnhäusern auf drei Prozent, für gewerbliche Anlagen auf zehn Prozent. Der republikanische Senator John McCain aus Arizona, wo besonders viel Solarstrom produziert wird, sprach daher von einer "Steuer für die Verbraucher".

 

Kaum Produktion in den USA

Der Branchenverband räumte ein, dass mit 30 Prozent die Zölle nicht so hoch sind wie befürchtet. "Diese Regierung hat lange gebraucht, um zu verstehen, dass die Solarbranche Jobs schafft", sagte Hopper. Die Abgaben gelten erst, wenn eine Freigrenze von 2,5 Gigawatt importierte Panels überschritten ist. Zudem sind bestimmte Anlagen ausgenommen. Das dürfte Insidern zufolge etwa dem Elektroautopionier Tesla bei seinen High-Tech-Solardachplänen zugutekommen.

Die USA sind inzwischen der weltweit viertgrößte Solarmarkt nach China, Japan und Deutschland. Zudem ist die Solarbranche der am schnellsten wachsende Sektor im Energiebereich. Inzwischen sind mehr als 260.000 Mitarbeiter bei den Firmen in dem Bereich beschäftigt - fünfmal mehr als in der Kohleindustrie, für die sich Trump wiederholt eingesetzt hat. Doch nur wenige Unternehmen stellen ihre eigenen Solarpanels her, und Werke in den USA spielen kaum eine Rolle. Betriebe wie SunPower mit Werken in Asien oder SunRun stemmten sich daher gegen die neuen Zölle. Fürsprecher der neuen Abgabe sind dagegen die beiden angeschlagenen Firmen Solarworld, eine Tochter des gleichnamigen deutschen Unternehmens, und Sunviva, die zur in Hongkong ansässigen Shunfeng International Clean Energy gehört. Sie führen an, dass sie wegen Billigprodukten aus China Absatzschwierigkeiten hätten.

Auch in der Europäischen Union gerieten Solar-Hersteller wegen der zunehmenden Billigkonkurrenz aus Fernost unter Druck. Solarworld, einst Aushängeschild der deutschen Solarbranche, kam in Schwierigkeiten. Die EU verhängte schließlich 2013 gegen einige Hersteller Anti-Dumping-Zölle. Das hatte damals fast einen Handelskrieg mit China ausgelöst.

(Reuters)