Es wirkt fast wie ein penetrantes Lehrstück aus dem Grundseminar für gute und schlechte Museumsarbeit: Aber der Vergleich der beiden Ausstellungen „Andy Warhol. Cars“ in der Albertina und „Vermeer. Die Malkunst“ im Kunsthistorischen Museum ist zu saftig, um ihn unausgeschlachtet zu lassen.
Erstens die Unsitte, private Sammlungen unkommentiert in einem Bundesmuseum zu adeln: Der Daimler-Konzern beauftragte in den vergangenen 30 Jahren Künstler, ihre Produkte zu verewigen. Darunter auch Andy Warhol, immerhin. Der auftragsgemäß und völlig uninspiriert eine Serie von Karossen begann – und mittendrin starb, wahrscheinlich vor Langeweile, tatsächlich nach einer Gallenblasenoperation.
Es folgten weitere wenig herausragende Daimler-Huldigungen von Robert Longo, Sylvie Fleury und Vincent Szarek, alles brav aneinandergereiht zu begähnen in der großen unterirdischen Albertina-Halle. Warum? Wurde ein neues Dienstauto gebraucht? Oder einfach eine billige Ausstellung? Das zumindest ist gelungen. Fortsetzung ab Ende März im Mumok, wo der Daimler-Sammlung zweiter Teil gastieren darf. Als Kuratorin fungiert ebenfalls die Daimler-Sammlungsleiterin.
Während man aber darüber grübelt, welcher neue Zynismus die Albertina-Leitung dabei geritten hat, mitten in der Wirtschaftskrise derart unkritisch die Luxusauto-Produktion bejubeln zu lassen, erreicht man das Kunsthistorische Museum. Vermeer. Hier wird vorgeführt, was seriöse Museumsarbeit leisten könnte: Einem Hauptwerk der hauseigenen Sammlung wird eine groß angelegte Fokus-Ausstellung gewidmet. Zwei Mitarbeiterinnen des Museums präsentieren darin ihre jahrelange Forschungsarbeit. Didaktisch hervorragend, inklusive eigenem Kinderkatalog. Einziger Wermutstropfen, wie so oft im KHM: die beigestellten Zeitgenossen. Da fehlt Sabine Haag, da fehlte schon ihrem Vorgänger professionelle Beratung.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.01.2010)