200 Mitarbeiter müssen gehen, unrentable Filialen werden geschlossen. Seit Monaten wurde bei Cosmos ums Überleben gekämpft; die Elektrohandelskette braucht dringend einen Investor.
WIEN (ag./red.). Dass Cosmos in ernsthaften Schwierigkeiten steckt, war seit Monaten nicht mehr zu übersehen: Leere Regale und Restbestände, die verkauft werden. Nach jahrelangem Ringen um die Sanierung wird der Elektrohändler heute, Freitag, aller Voraussicht nach den Ausgleich anmelden.
Das Unternehmen soll aber saniert und fortgeführt werde. Bis zu fünf der noch 27 Filialen sollen geschlossen werden, 200 der 1200 Mitarbeitern werden zur Kündigung angemeldet, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. Einen Konkurs schließen die Eigentümer derzeit aus.
Der KSV von 1870 beziffert die Passiva mit 35 Mio. Euro – damit sei das Unternehmen buchmäßig geringfügig überschuldet, sagt Insolvenzexperte Hans-Georg Kantner vom KSV. Die Insolvenz betrifft 800 Gläubiger.
Seit Monaten wurde bei Cosmos ums Überleben gekämpft; die Elektrohandelskette braucht dringend einen Investor. Nun hofft man, dass ein solcher nach einer Entschuldung durch den Ausgleich leichter aufzuspüren ist.
Erst Ende 2009 hat sich das Tiroler Brüderpaar Harald und Markus Stauder über eine slowakische Gesellschaft bei Cosmos eingekauft. Sie sollen auch Bankverbindlichkeiten in – dem Vernehmen nach – zweistelliger Millionenhöhe übernommen haben.
In den vergangenen Monaten ist Cosmos auch bei der Warenbeschaffung in Schwierigkeiten geraten, nachdem die Kreditversicherer keine Warenkredite mehr besichern wollten. Das Geschäftsjahr 2008 hat Cosmos bei einem Umsatz von 267 Mio. Euro mit einem Verlust von mehr als elf Mio. Euro abgeschlossen.
Die 1975 gegründete Elektrohandelskette, die Nummer zwei hinter Media Markt/Saturn, hat zahlreiche Besitzer gesehen: 1996 wurde Cosmos zum ersten Mal verkauft, um 150 Mio. Schilling an den Elektrohändler Köck. Später wurden die Cosmos-Köck-Anteile von der Bawag übernommen.
Partnersuche ohne Erfolg
Schon damals schrieb Cosmos rote Zahlen. Im Herbst 2006 hat die Bawag ihre Elektrohandelskette schließlich an die Value Management Service Gruppe des Sanierers Erhard Grossnigg und des deutschen Finanzinvestors Nordwind Capital verkauft. Zugleich wurde Cosmos mit Niedermeyer (die Kette wurde ebenfalls von Grossnigg saniert) in eine gemeinsame Holding eingebracht. Somit entstand die damals größte österreichische Elektrohandelskette mit einem Marktvolumen von 3,1 Mrd. Euro.
Erst vor einem Jahr wurde der finanzielle Kurzschluss knapp verhindert: Beinahe wären die Banklinien und Garantien der Versicherer gesperrt worden. Der Plan zur Sanierung sah damals ähnlich aus wie heute: Kosten senken, unrentable Filialen schließen, Investor finden.
AUF EINEN BLICK
■Das zähe Ringen um die Rettung der Elektrohandelskette Cosmos war vorerst ohne Erfolg: Die Firma wird den Ausgleich beantragen. Fünf der 27 Filialen werden voraussichtlich geschlossen. 200 der 1200 Mitarbeiter sollen zur Kündigung angemeldet werden.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.01.2010)