Doping-Ermittler: "Nur unbelastete Russen durchgewunken"

FILES-OLY-2018-RUS-SSKATE-AN-DOPING
APA/AFP/ROBERT MICHAEL

Russland nominierte vor offizieller IOC-Entscheidung 169 Athleten, manch Star wird die Winterspiele in Korea verpassen. Der Ärger darüber ist groß, die Dopingjäher der Wada bleiben gelassen.

Bei den Olympischen Spielen in Südkorea (9.-25. Februar) werden ausschließlich russische Athleten ohne Doping-Historie an den Start gehen. Zu diesem Schluss kommt zumindest der deutsche Chefermittler der Welt Anti Doping Agentur (WADA), Günter Younger. "Wir haben über keinen Athleten, den wir durchgewunken haben, gegenteilige Informationen", sagte er im Interview der Deutschen Presse-Agentur.

Younger gehörte jener Kommission an die 500 Russen begutachtet und schließlich den Kreis der möglichen Olympia-Starter auf 389 reduziert hat. Inzwischen hat Russland im Vorgriff der endgültigen Entscheidung durch das Internationale Olympische Komitee (IOC) am Samstag unerwartet 169 Athleten für Olympia nominiert.

Der Leiter der WADA-Ermittlungsabteilung in Montreal hatte die Aufgabe, die Dossiers für jeden zu prüfenden Athleten für die Kommission unter der Leitung der französischen Ex-Sportministerin Valerie Fourneyron vorzubereiten. "Unser Job war die Zusammenstellung aller Information aus allen bisherigen Ermittlungen und Quellen", erklärte Younger. "Damit konnte das Vierer-Gremium (des IOC) prüfen, wer kann als sauberer Athlet durchgehen oder wer ist verdächtig."

Die Kritik der Vereinigung der Nationalen Anti-Doping-Agenturen, dass es bei dieser Prüfung an Transparenz gefehlt habe, weil die Kriterien für eine Zulassung oder Ablehnung von Athleten lange nicht bekannt waren, hält er nicht für gerechtfertigt. "Man muss auch fair sein. Die Kommission hat sich erst am 21. Dezember getroffen und musste selbst erst einmal prüfen, wie valide die einzelnen Kriterien sind und über die Arbeit diskutieren", meinte Younger.