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Haiti: Gewalt gegen Frauen durch entflohene Häftlinge

Die Polizei geht gegen Plünderer vor.
(c) AP (Ramon Espinosa)
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Die Polizei macht die geflohenen Verbrecher für die Zunahme der Gewalt verantwortlich. Zwei Wochen nach dem Beben haben sich in der Hauptstadt von etwa 6000 Polizisten nur 3400 zurückgemeldet.

Gut zwei Wochen nach dem verheerenden Erdbeben in Haiti werden obdachlose Frauen zunehmend Opfer von Gewaltangriffen durch aus den Gefängnissen geflohene Verbrecher. Banditen belästigten und vergewaltigten Frauen und Mädchen, die in Zelten Zuflucht gesucht hätten, sagte der haitianische Polizeichef Mario Andresol am Donnerstag. Die Dominikanische Republik will eine zweite Konferenz für den Wiederaufbau Haitis organisieren.

Andresol machte rund 7000 verurteilte Kriminelle für die Zunahme der Gewalt verantwortlich, die nach dem Erdbeben aus zerstörten Gefängnissen entkommen waren. "Wir haben fünf Jahre gebraucht, um sie zu fassen, und heute laufen sie frei herum und werden uns Probleme bereiten", sagte der Polizeichef. Offizielle Zahlen zu den Opfern gibt es nicht, Frauenorganisationen in der haitianischen Hauptstadt Port-au-Prince alarmierten allerdings die Vereinten Nationen.

Die Polizei als einzige Ordnungsmacht des Karibikstaates zählte vor dem Erdbeben rund 8000 Beamte. Mindestens 70 Polizisten seien ums Leben gekommen, rund 400 verletzt worden, sagte Andresol. 500 würden noch vermisst. Von gut 6000 Polizisten aus dem Hauptstadtgebiet hätten sich zwei Wochen nach dem Beben nur 3400 zurückgemeldet.

Engpässe bei Medikamenten

Probleme gibt es allerdings nicht nur bei den Polizisten, sondern auch bei der medizinischen Versorgung: Den Ärzten und Kliniken gehen angesichts der zahllosen Verletzten die Medikamente aus. In einigen Krankenhäusern gebe es kaum noch elementarste Dinge wie Antibiotika und Schmerzmittel, berichten die Mediziner.

Dr. Nancy Fleurancois, eine freiwillige Helferin in dem beschädigten Krankenhaus der Küstenstadt Jacmel, erklärte am Donnerstag einer UN-Delegation, dass sie und ihre Kollegen täglich 500 Patienten behandeln. Für viele sei es der erste Besuch bei einem Arzt seit dem verheerenden Beben vom 12. Jänner. Man brauche dringend Antibiotika und chirurgische Hilfsmittel, sagte sie. "Man sieht die Leute hierher kommen, und sie stehen an der Schwelle des Todes", sagte die gebürtige Haitianerin, die aus den USA in ihre Heimat zurückkehrte um zu helfen. "Weitere Hilfe ist nötig."

Nach Angaben von Helfern steht die Lieferung von Medikamenten generell nur an dritter Stelle hinter Lebensmitteln und Zelten. Der Grund, warum es bei all diesen dringend benötigten Dingen zu Engpässen kommt, ist der gleiche: Der Bedarf ist so gewaltig, und es ist einfach nicht möglich, die Vorräte schnell genug nach Haiti zu bringen und in dem Staat mit seiner zerstörten Infrastruktur zu verteilen.

Bessere Koordinierung der Hilfen

In der Region bemühen sich die Vertreter weiter um eine bessere Koordinierung der Hilfen. Die Dominikanische Republik will am 14. April eine zweite Konferenz für den Wiederaufbau seines zerstörten Nachbarlandes veranstalten. Das Treffen werde auf Bitten des haitianischen Präsidenten René Préval organisiert, kündigte der dominikanische Außenminister Carlos Morales Troncoso an.

Bereits in der vergangenen Woche hatten sich Preval und sein dominikanischer Amtskollege Leonel Fernandez mit Vertretern weiterer Länder der Region getroffen, um über die Lage in Haiti zu beraten. Fernandez hatte dabei die Höhe der für Haiti benötigten Gelder für den Wiederaufbau auf zehn Milliarden Dollar beziffert. Am Montag hatten die Geberländer ein Treffen im kanadischen Montréal zur Koordinierung der Hilfen abgehalten. Im März soll eine Hilfskonferenz bei der UNO in New York stattfinden.

2 Milliarden Dollar an Hilfszusagen

Bisher gingen nach UN-Angaben 2,02 Milliarden Dollar (1,45 Milliarden Euro) an Hilfszusagen ein oder wurden zugesagt. Der stellvertretende UN-Sondergesandte für Haiti, Paul Farmer, sagte, 75 Prozent von Port-au-Prince seien durch das Erdbeben vom 12. Jänner zerstört worden. Das Ausmaß der Katastrophe sei so groß, dass "wir die beste internationale Mannschaft brauchen, um das Problem gemeinsam mit den Haitianern anzugehen", sagte Farmer vor dem Außenausschuss des US-Senats in Washington.

Der stellvertretende Chef der UN-Mission in Haiti (MINUSTAH), Anthony Banbury, sagte, es müsse "noch so viel mehr getan werden", um den obdachlosen und vertriebenen Menschen in Haiti zu helfen. So müsse die Hilfe beispielsweise noch besser koordiniert werden, sagte Banbury bei einem Besuch in der Stadt Jacmel südlich von Port-au-Prince. Hilfslieferungen seien auch immer ein Herd für Unsicherheit und Gewalt. Bei dem schweren Beben vor gut zwei Wochen waren mehr als 170.000 ums Leben gekommen.

(Ag.)