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Niederösterreich bleibt die absolute Ausnahme

Niederösterreich ist seinem Ruf als "schwarzes Kernland" gerecht geworden. Selbst die absolute Mehrheit ist für Johanna Mikl-Leitner in Griffweite - keine Selbstverständlichkeit.

Niederösterreich bleibt absolut schwarz - und ist damit die große Ausnahme auf der politischen Landkarte Österreichs. Schon 2014 fiel die letzte andere Absolute in Vorarlberg, als erstmals Markus Wallner statt Herbert Sausgruber die ÖVP anführte. Auch Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) schlug heute ihre erste Wahl als Nachfolgerin Erwin Prölls, aber sie blieb (laut Hochrechnern) sogar über der 50er-Marke.

Niederösterreich ist mittlerweile "DAS schwarze Kernland". Inklusive heute holte sich die ÖVP in zwölf der 16 Landtagswahlen seit 1945 mehr als die Hälfte der Stimmen - und in zwei Fällen hielt sie trotz 40er-Resultaten die absolute Mehrheit der 56 Landtagsmandate. Die NÖ VP war also 14 von 16 Perioden mit einer absoluten Mehrheit im Landtag ausgestattet. Tatsächlich einen Koalitionspartner brauchte die Volkspartei nur von 1993 bis 2003 - das war die SPÖ, und Pröll behielt auch danach freiwillig schwarz-rote Arbeitsübereinkommen bei.

Minus-Rekord ließe sich sehen

Welch ein Ausnahmefall Niederösterreich ist, zeigt auch die Tatsache, dass selbst das schlechteste ÖVP-Ergebnis im Lande - 44,23 Prozent im Jahr 1993 - noch deutlich besser ist als die derzeitig stärksten Landtagsergebnisse in den anderen Bundesländern: In Vorarlberg liegt die ÖVP Markus Wallners knapp unter 42 Prozent, ebenso im Burgenland die SPÖ Hans Niessls. In - wohl nicht ganz unbewusstem - Understatement hatte Mikl-Leitner vor der Wahl diese als Orientierungsmarke für sich genannt.

Mit der "Pause" für die Absolute von 1993 bis 2003 war Niederösterreich auch alles andere als allein: Damals purzelten reihum die zuvor in den meisten Ländern gehaltenen Absoluten, weil die FPÖ unter Jörg Haider stark wuchs. Erst mit dem Einbruch der FPÖ während ihrer Beteiligung an Schwarz-Blau I - von 2000 bis 2006 - holte sich die ÖVP in Niederösterreich, Vorarlberg und Tirol sowie die SPÖ im Burgenland und in Wien die Absolute wieder zurück.

In der Regel aber nur für kurze Zeit: Denn nach der Wiederbelebung der großen Koalition verloren SPÖ und ÖVP wieder an Wählerzuspruch - und die FPÖ (jetzt unter Bundeschef Heinz-Christian Strache) erholte sich.

Einer nach dem anderen verlor die Absolute

Somit gingen außer jener in NÖ auch alle Absoluten wieder verloren: Als erstes büßte 2008 Herwig van Staa mit der ÖVP in Tirol - wegen der starken Konkurrenz Fritz Dinkhausers - ihre 2003 wiedereroberte Mandats-Absolute ein. 2010 fielen die beiden roten Absoluten, die Hans Niessl im Burgenland (2005, sogar in Prozent) und Michael Häupl in Wien (2001 und 2005, in Mandaten) unter Schwarz-Blau zurückgeholt hatten. 2014 schaffte dann in Vorarlberg der neue LH Wallner keine 50 Prozent mehr, was zuvor Sausgruber 2004 und 2009 noch gelungen war.

Ob Schwarz-Blau II der FPÖ (gegen deren Erwartung) doch wieder Einbußen in der Wählergunst beschert, kann man angesichts des NÖ-Ergebnisses noch nicht sagen. Denn dort wuchs die FPÖ zwar stark - weil sie 2013 wegen dem Team Stronach sehr schwach abgeschnitten hatte -, blieb aber klar unter ihren Erwartungen. Denn sie erlebte zuletzt noch ein Wahlkampffiasko - mit der NS-Liederbuchaffäre der Germania, einer Burschenschaft, bei der Spitzenkandidat Udo Landbauer mehrere Jahre lang Vizeobmann war.

Aber bis zum April wählen noch Tirol, Kärnten und Salzburg ihre Landtage - und dann wird man wohl schon besser wissen, wie sich die neuen Rollen im Bund (ÖVP und FPÖ in der Regierung, SPÖ in der Opposition) auswirken.

(APA)