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SPÖ: „Die Genossen haben das brav gemacht“

Franz Schnabl
Franz SchnablAPA/HELMUT FOHRINGER

Franz Schnabl hat seine Feuertaufe bestanden. Christian Kern zog zur Batman-Hymne in St. Pölten ein. Die SPÖ konnte ihr Wahlergebnis mit rund 24 Prozent leicht verbessern.

St. Pölten. „Schnabl is on fire, ÖVP is terrified“ sang die Parteijugend zur Musik von Galas „Freed from Desire", als die erste Hochrechnung kam. Und eigentlich auch den ganzen Abend, bis sogar SPÖ-Urgestein Otto Pendl diesen Ohrwurm mitsummte.
Ganz der Wahrheit entspricht das nicht: Die ÖVP war vom Wahlergebnis nicht gequält, sondern damit hochzufrieden, obwohl sie ein wenig verloren hat. Bei der SPÖ wollte bei der eher kleinen Wahlparty in der Parteizentrale anfangs nicht Jubelstimmung aufkommen, obwohl man sich zu den Gewinnern zählen durfte: Die Roten holten rund 24 Prozent der Stimmen und legten somit mehr als zwei Prozentpunkte zu.

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Spitzenkandidat Franz Schnabl gab sich gut gelaunt: „Die Sozialdemokratie wurde gestärkt, das freut mich“, sagt er. Seine Wahlziele hat er weitgehend erreicht: Er hat sich vorgenommen, dass die SPÖ die zweitstärkste Partei im Land bleiben soll. Das ist ebenso gelungen wie der Stimmenzuwachs. Zugegeben, die Latte lag tief: 2013 fuhr die SPÖ mit 21,6 Prozent ihr historisch schlechtestes Wahlergebnis ein. Und dann wollte Schnabl noch die Absolute der ÖVP brechen. „Ein amtliches Ergebnis gibt es erst am Donnerstag“, sagte er.

Zu späterer Stunde kam auch Parteichef Christian Kern und zog mit Batman-Hymne im Hintergrund in die Parteizentrale ein. „Die Genossen haben das ganz brav gemacht“, sagte er zur „Presse“. Die SPÖ wird zwei Landesratsitze bekommen und mit ÖVP und FPÖ die Regierung stellen. „Aber mit einer Landbauer-FPÖ wird das nicht gehen, das ist kein Partner für die SPÖ“, sagt er. Schnabl gilt als Kern-Mann, dass er bei dieser Wahl einigermaßen gut performt hat, ist für Kern wichtig. Innerparteilich hatte Schnabl viele Kritiker. Er sei zu alt, meinten die einen. Ein Signal der Erneuerung sei nötig und Schnabl könnte das nicht sein, hieß es. Auch seine Kampagne stieß nicht wenigen Genossen sauer auf.

Auf den Plakaten war Schnabl mit Grimassen zu sehen, hüpfte oder kämpfte mit einem Regenschirm gegen Bürgermeister. Die Slogans hatten Wortwitz – oft waren sie provokant. Und dann war da noch dieses Video, in dem von einer politischen Burka gesprochen wurde. Die Kampagne polarisierte, brachte aber die gewünschte Aufmerksamkeit ebenso wie Schwung in den sonst eher biederen Wahlkampf. Und offenbar hat sie funktioniert.

Aber nicht nur am Außenauftritt der Partei hat Schnabl gearbeitet – auch nach innen gab es Veränderungen. Es wurde umstrukturiert und aufgeräumt – ein Reformprozess wurde eingeleitet. Denn die SPÖ Niederösterreich soll das werden, was sie einmal war: Eine gewichtige Landespartei. Potenzial gibt es: In keinem Bundesland hat die SPÖ mehr Parteimitglieder.

Dass die Wahl in Niederösterreich nun halbwegs gut überstanden sind, ist auch ein motivierendes Signal für die SPÖ in jenen drei Bundesländern, in denen heuer noch gewählt wird. Besonders spannend wird es in Kärnten, wo die SPÖ um den Landeshauptmannstuhl bangen muss. In Niederösterreich forderte Schnabl seine Genossen jedenfalls auf nun einmal richtig zu feiern: „Esst, trinkt“, sagte er. „Ich will nicht, dass irgendwas übrig bleibt.“

(Presse-Print, 29.01.2018)