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Kommentar

Räuber, Gendarm und die Blockchain

Wenn Geld im Spiel ist, kann alles sehr schnell gehen.

Die Banken und Regierungen reden bloß von Digitalisierung und wissen noch gar nicht, wie sie mit dem Phänomen Bitcoin umgehen sollen. Aber die Polizei muss sich sofort etwas einfallen lassen.

In Japan, wo Hacker gerade Kryptomünzen im Gegenwert von 500 Millionen Dollar erbeutet haben. In Amerika, wo ein Mann einen Bekannten mit der Waffe bedroht haben soll, um an Bitcoins zu kommen. Und in England, wo Räuber in der Nacht auf Montag Bitcoins im Gegenwert von fast einer Million Euro gestohlen haben sollen. Wie der „Telegraph“ berichtet, haben sich die Diebe in das Haus des Bitcoin-Händlers Danny Aston geschlichen, seine Frau gefesselt und Aston selbst mit vorgehaltener Waffe gezwungen, seine digitalen Konten zu leeren.

Der Vorfall in Moulsford westlich von London war wohl der erste Bitcoin-Überfall in England. Aston hatte im Sommer 2017 eine Firma für den Handel mit Kryptowährungen gegründet, was die Räuber auf ihn aufmerksam gemacht haben dürfte. Der Überfall in England und der Hack in Japan werden jetzt ein Schlaglicht auf eine oft ignorierte Facette von Kryptowährungen werfen: Der Weg der Gelder ist nämlich nachvollziehbar – ähnlich normalen Bankkonten. Bitcoins sind nicht so anonym, wie es oft behauptet wird.

Die Räuber von Moulsford werden die Gelder genauso waschen müssen wie andere Kriminelle ihre Beute. Theoretisch wäre es sogar möglich, die Diebe via Blockchain auszuforschen. Bleibt die Frage, wer mehr IT-Kompetenz hat. Räuber oder Gendarm?

E-Mails an: nikolaus.jilch@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.01.2018)