Scala-Orchester: Erst auf dem Weg nach Russland

Musikdirektor Chailly hat mit dem Mailänder Orchester bereits einiges erreicht.
Musikdirektor Chailly hat mit dem Mailänder Orchester bereits einiges erreicht. (c) Musikverein/Dieter Nagl
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Die Filarmonica della Scala unter Chailly spielte im Musikverein russische Musik. Und fremdelte dabei ein wenig.

O tu Palermo! Wenn die Filarmonica della Scala als Draufgabe ihren Blick gen Süden wendet und die Ouvertüre zu Verdis „Sizilianischer Vesper“ gibt, dann ist die musikalische Geografie endlich sonnenklar, mögen auch partiturgetreu düstere Wolken dräuen: Inmitten von dramatischer Spannung und herrischen Fanfaren schmachten da die Celli, vom Holz umglitzert, mit der Kantilene des Montforte aus dem Duett mit Arrigo – ein Gruß aus italienischen, also vertrauten Gefilden. Die Fernsicht nach Russland hingegen – im regulären Programm dieses Abends – war getrübt.

Der Reihe nach: Das Orchester der Mailänder Scala führt seit gut 35 Jahren eine Doppelexistenz ähnlich jener der Wiener Philharmoniker. 1982 hat Claudio Abbado die Filarmonica della Scala gegründet, um mit dem bis dahin reinen Opernorchester auch das symphonische Repertoire zu erarbeiten: Das Spiel auf dem Podium und jenes im Graben kommen einander in Stil und Technik wechselseitig zugute. Diese Weisheit beherzigt Riccardo Chailly erst recht, der einst als Assistent Abbados seine Karriere begonnen hat: Seit gut zwei Jahren steht er effektiv an der Spitze beider Identitäten des Orchesters. Aktuell hat er der Filarmonica russische Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts gleichsam verordnet – weshalb an diesem ersten von zwei Musikvereinsabenden Musik von Tschaikowsky, Schostakowitsch und Strawinsky zu hören waren.

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