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Den Wettbewerb mit der OODA-Loop schlagen

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Kolumne "Hirt on Management". Folge 64.

In unserer Rubrik „Hirt on Management“ beantwortet Michael Hirt, Managementexperte und -berater, Executive Coach und Keynote Speaker alle zwei Wochen Fragen von Managern zu herausfordernden Situationen und kritischen Entscheidungen.

Frage:

Was ist die OODA-Loop und was bringt Sie Managern?

Michael Hirt antwortet:

Die OODA-Loop (observe, orient, decide, act) ist ein Entscheidungsmodell, dass der amerikanische Kampfpilotenausbilder und Militärstratege John Boyd in den sechziger Jahren des 20. Jahrhundert entwickelt hat, und das weltweit von Militärs und Sondereinheiten, aber auch von Wirtschaftsentscheidern verwendet wird.

Die OODA-Loop macht den menschlichen Entscheidungsprozess transparent und ermöglicht ihn gezielt zu optimieren. Sie ist insbesondere für Wettbewerbsituationen sehr gut geeignet.

Observe. Beobachten.
Im ersten Schritt geht es darum, mit offenen und aufmerksamen Augen durch die Welt zu gehen und seine Umgebung bewusst wahrzunehmen.

Orient. Orientieren.
Im zweiten Schritt, der ganz entscheidend dafür ist, um Vorteile gegenüber dem Wettbewerb zu erlangen, geht es darum, die Wahrnehmungen aus der Umwelt richtig zu interpretieren.
Einerseits geht es darum, Anomalien, also Abweichungen, vom in dieser Umwelt zu erwartenden Verhalten, zu erkennen, von denen Bedrohungen/Risiken bzw. Chancen ausgehen.

Dazu ist es erforderlich, dass ich über eine Theorie verfüge, was in dieser Umwelt als zu erwartendes Verhalten und was als ungewöhnliches Verhalten zu werten ist.

Anderseits geht es darum, ein möglichst gutes, integriertes Erklärungsmodell für die gesamte Datenlage, die ich aus der Umwelt erhalte, zu entwickeln. An dieser Stelle liegt auch einer der Knackpunkte, der die OODA-Loop so mächtig macht.

Einer der entscheidenden Unterschiede zwischen wirksameren Entscheidern und unwirksameren ist, dass die wirksameren mental agiler sind und nicht zwanghaft ein einziges Erklärungsmodell (Paradigma) verwenden um eine bestimmte Situation zu erklären, sondern aus einem ganzen Portfolio von Erklärungsmodellen auswählen und bei Bedarf sogar ein neues Erklärungsmodell, aus Bruchstücken bereits bekannter Modelle, entwickeln.

Wirksamere Entscheider gehört also nicht zu den Leuten, die nur über einen Hammer verfügen, und für die daher alles wie ein Nagel aussieht.

Im Gegenteil, sie sind vielseitig gebildet und kennen Erklärungsmodelle aus verschiedensten Disziplinen, wie zum Beispiel der mathematischen Logik, Physik, Thermodynamik, Biologie, Psychologie, Anthropologie, Spieltheorie, Buchhaltung und Bilanzierung, den Ingenieurwissenschaften, Wirtschaftswissenschaften, der Wahrscheinlichkeitsrechnung, Chemie, Geschichte, Statistik, Philosophie, Literatur und dem Recht.

Diese Breite ermöglicht Ihnen, nicht ihre Wahrnehmung der Umgebung, an ihre Denkmodelle anzupassen, sondern das richtige Denkmodell aus zu wählen, dass am besten der Wahrnehmung der Realität angepasst ist und damit die höchste Wahrscheinlichkeit hat, die richtigen Hinweise für wirksames Handeln zu geben.

Decide. Entscheiden.
Hier geht es darum, aufgrund der vorliegenden Informationen, die bestmögliche Entscheidung zu treffen. Normalerweise werden in einer Entscheidungssituation nicht alle notwendigen Informationen verfügbar sein, um eine vollständig durchdachte und analysierte Entscheidung zu treffen.

Darum geht es auch gar nicht, es geht nämlich in einer Konkurrenzsituation nur darum, eine bessere Entscheidung als der Wettbewerb zu treffen, nicht die perfekte Entscheidung.

Eine dramatische Verbesserung der Entscheidungsqualität ist dann möglich, wenn in der Orientierungsphase und bei der allgemeinen Vorbereitung auf Entscheidungen, verschiedenste Entscheidungsoptionen bereits durchgespielt werden und durch Probehandeln (Training) geübt werden.

Act. Handeln.
Jetzt gilt es entschlossen zu handeln. Hier wird klar, dass die OODA-Loop (Schleife) nicht nur ein Entscheidungsmodell, sondern ein lernendes System ist.

Denn in dem Moment wo wir handeln, erhalten wir eine Rückmeldung aus der Realität (Feedback), wie gut und realitätstauglich unser Erklärungsmodell ist, und (hoffentlich) eine Chance es anzupassen und aufgrund des verbesserten Models wieder zu handeln.

Speed Matters.
Geschwindigkeit spielt bei der Anwendung der OODA-Loop (und in der erfolgreichen Wettbewerbsstrategie in der Wirtschaft) eine ganz entscheidende Rolle.

Wenn ich meine OODA-Loop in angemessener Qualität, schneller als mein Wettbewerber durchlaufe, verändere ich die Situation zu meinen Gunsten, während der Wettbewerber noch dabei ist, die alte, vorhergehende Situation zu verarbeiten und zu verbessern.

Der Wettbewerber ist gezwungen, sein Handeln zu unterbrechen, die Situation neu einzuschätzen und gerät ins Hintertreffen.

Das Wichtigste in Kürze

Einer der entscheidenden Unterschiede zwischen wirksameren Entscheidern und unwirksameren ist, dass die wirksameren mental agiler sind und nicht zwanghaft ein einziges Erklärungsmodell (Paradigma) verwenden um eine bestimmte Situation zu erklären, sondern aus einem ganzen Portfolio von Erklärungsmodellen auswählen und bei Bedarf sogar ein neues Erklärungsmodell, aus Bruchstücken bereits bekannter Modelle, entwickeln.

Geschwindigkeit spielt bei der Anwendung der OODA-Loop (und in der erfolgreichen Wettbewerbsstrategie in der Wirtschaft) eine ganz entscheidende Rolle. 

 

In „Hirt on Management“ beantwortet Michael Hirt, Managementexperte und -berater, Executive Coach, Keynote Speaker und Buchautor alle 2 Wochen Fragen von ManagerInnen zu herausfordernden Situationen und kritischen Managemententscheidungen.

Schicken Sie Ihre Fragen an Michael Hirt an: karrierenews@diepresse.com

Die Fragen werden anonymisiert beantwortet.

Ausblick: Die nächste Kolumne von Michael Hirt erscheint am 15. Februar 2018 zur Frage: Virtuelle Teams managen.

Hier finden Sie die gesammelten Kolumnen.

Dr. Michael Hirt, geboren 1965 in Wien, ist Managementexperte und -berater, Executive Coach, Keynote Speaker und Buchautor. Hirt verhilft Führungskräften zu schnellen Leistungs- und Ergebnissteigerungen, mit hoher Auswirkung auf den Erfolg ihres Unternehmens. Er studierte in Österreich, Kanada (McGill) und Frankreich (INSEAD MBA) und ist weltweit tätig.