Bis 2020 können die Unis nicht warten

Beatrix Karl absolvierte ihren ersten Parlamentstag als Ministerin.

Sie könne heute „kein fertiges Menü servieren“. Mit diesem Eingeständnis zeigte sich Beatrix Karl bei ihrer Antrittsrede im Nationalrat realistisch. Die neue Wissenschaftsministerin skizzierte ihren neuen Aufgabenbereich, ließ aber jeden Tiefgang vermissen. Für die eklatanten Budgetnöte hatte sie bloß den Verweis auf das Budgetziel für das Jahr 2020 übrig – nämlich die Steigerung der Ausgaben für den tertiären Bereich (alle der Matura folgenden Ausbildungsgänge) auf die Höhe von zwei Prozent des BIPs. Wobei da ja ein Teil auch von privater Seite erhofft wird.

Lob für Beatrix Karl für ihre Ankündigung, schon kommende Woche mit den Studierenden zu sprechen. Auf derartige Termine haben frühere Studentengenerationen oft monatelang gewartet. Mit ihrer Dialogbereitschaft versucht die neue Ministerin, den Stier bei den Hörnern zu packen. Freilich wird sie auch einiges dazu beitragen müssen, mit einer bloßen Plauderstunde werden sich die Studierenden nicht zufriedengeben.

In ihren Ausführungen sind jede Menge Schlagwörter zu finden („Wissen schaffen – Qualität steigern“), völlig beiseite ließ sie aber das Bekenntnis zur Spitze und zu Spitzenleistungen. Die Exzellenz-Uni – und zwar nicht nur das Institut in Maria Gugging – ist eine Notwendigkeit im internationalen Wettbewerb. Aber vielleicht weiß Karl, dass man da Geld braucht, sehr viel Geld. Und sie müsste auch wissen, dass man hier nicht bis zum Budgetziel von 2020 warten kann.


erich.witzmann@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.01.2010)

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