Projekt Y eröffnet: Autobahnring um Wien schließt sich

(c) AP (Thomas Kienzle)
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Am Montag eröffnet die Nordumfahrung, die die Region entlasten soll. Konkret geht es um die 50 Kilometer lange Verbindung von der A22, die im Nordwesten Wiens entlang der Stadtgrenze bis zum Knoten Eibesbrunn führt.

WIEN. Die Heizkanonen laufen auf Hochtouren, die weinselige Stimmung ist auf dem Höhepunkt, und immer wieder erheben sich Menschen von den Heurigenbänken, fallen sich gerührt in die Arme. Das sind Szenen, die man nicht alle Tage sieht. Zumindest nicht mitten in einem Autobahntunnel. Zumindest nicht mit einem Bierkrug in der Hand, wenn die Polizei danebensteht.

Dieser Tag ist aber anders. „Projekt Y“ wird gefeiert.

Das Projekt, dessen Namen seltsamerweise an die 80er-Jahre-Kultserie „Akte X“ erinnert, ist eines der größten Infrastrukturprojekte Mitteleuropas: Die Wiener Nordumfahrung, Teil des Autobahnrings um Wien. Und die Fertigstellung des 933-Millionen-Euro-Projektes wurde am Freitag ausgiebig gefeiert, bevor es am Montag seinen Betrieb aufnimmt.

Konkret geht es um die 50 Kilometer lange Verbindung von der A22 (Donauuferautobahn), die bei Korneuburg im Nordwesten Wiens entlang der Stadtgrenze bis zum Knoten Eibesbrunn führt (S1-West). Dort trifft die neue Autobahn auf die A5 (Nordautobahn), die bis Schrick (südlich von Mistelbach) fertig gestellt wurde. Das verkehrte „Y“ wird vervollständigt durch die Strecke vom Knoten Eibesbrunn bis zur S2 nach Süßenbrunn, die seit Kurzem in Betrieb ist.

Durch die neue Autobahnverbindung wird ein wichtiger Teil des Regionenrings um Wien geschlossen, womit ständig überlastete, zentrale Verkehrsverbindungen im Norden der Stadt entlastet werden sollen. Die größte Entspannung bringt „Projekt Y“ jenen niederösterreichischen Gemeinden, die bisher unter die Räder der Lkw-Lawine gekommen sind – was Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll launig kommentiert: „Da werden einige Anrainer zuerst nicht schlafen können, weil plötzlich so eine Ruhe ist.“

Die Besonderheit des „Projekts Y“ ist nicht nur die Entlastung von niederösterreichischen Gemeinden und Wiener Hauptverkehrsadern: Die Wiener Nordumfahrung, deren Planungen seit dem Jahr 2003 gelaufen sind, ist das erste große Autobahnprojekt, das in Form eines PPP-Modells (Privat-Public-Partnership) umgesetzt wird, also ein staatliches Projekt mit privaten Partnern, die sich um Planung, Finanzierung und Umsetzung kümmern – und die Strecke danach für 33 Jahre an die Republik vermieten.

Apropos Republik. In Anbetracht der jahrelangen Laufzeit des Projektes bedankte sich Pröll artig bei jenen Verkehrsministern, die dieses Projekt unterstützt hatten: „Hubert Gorbach, Werner Faymann und Doris Bures.“ Trockener Nachsatz: „Wie man sieht: Minister kommen und gehen. Der Landeshauptmann bleibt.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.01.2010)

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