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Kino: Diese Komödie ist ein Fest

Der narzisstische Bräutigam entschwebt im Ballon, weil Mitarbeiter versehentlich die Seile loslassen. Rechts vorn: Jean-Pierre Bacri.
Der narzisstische Bräutigam entschwebt im Ballon, weil Mitarbeiter versehentlich die Seile loslassen. Rechts vorn: Jean-Pierre Bacri.(C) Constantin
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In „Das Leben ist ein Fest“ brilliert Jean-Pierre Bacri als Wedding Planner auf einer an Pannen reichen Hochzeit: fabelhaft komisch – und ein rührendes Männerporträt.

Gute Komödien sind ein Fest – und das Regieduo Éric Toledano und Olivier Nakache kann es inszenieren. Ihr Film „Ziemlich beste Freunde“ über einen Behinderten und seinen unkonventionellen Pfleger hat das vor Jahren gezeigt, „Das Leben ist ein Fest“ bestätigt es.

Wohlüberlegt, aus guten Zutaten geschickt kombiniert – so stellt sich auch das Brautpaar eine schöne Hochzeit vor, wenn es zum Wedding Planner Max geht. Wenn aber Max auf dem Landschloss in der Nähe von Paris kurz vor dem Eintreffen der Gäste vollendet höflich die arroganten Nörgeleien des Bräutigams über sich ergehen lässt und sich eine Panne an die andere reiht, ahnt man bereits: Hochzeitsplanung ist zu einem Gutteil Stegreiftheater – und unerwünschte Mitspieler spielen darin die Hauptrolle.

Die Hauptrolle im Film spielt einer der feinsten Filmkomödianten Frankreichs, Jean-Pierre Bacri. Mit tiefen Gramfalten und einer Miene, als hätte er zu viele Zitronen gegessen, spielt er den langjährigen alternden Chef einer kleinen, wirtschaftlich unter Druck stehenden Firma. Max sorgt sich um die Wehwehchen seiner Mitarbeiter, deren Dummheiten er ständig ausbügeln muss, um seine Kunden, um alles – nur nicht um sich selbst. Falls er einmal wusste, wie das geht, hat er es gründlich verlernt. „Da muss man sich eben anpassen“, lautet seine Dulderbotschaft an aufgebrachte Mitarbeiter. Der Fotograf, den niemand mehr will – bei ihm darf er noch arbeiten, auch wenn er ganze Tabletts leer frisst und im Frust über die moderne Zeit Gästehandys zertrümmert. Auch dass er aus Mitleid seinen arbeitslosen Schwager bei sich jobben lässt, kommt Max teuer zu stehen: Weil dieser zum Zweck des Rasierens das Kabel des Kühlwagens absteckt, müssen Hunderte Teller mit garniertem Lamm in den Müll wandern – die bereits dringend erwartete Vorspeise. Beiläufig wird Max' private Misere erahnbar, die Freundin gibt ihm den Laufpass, die Ehefrau ist verschollen. Max' Kampf mit der Autokorrektur am Handy (die Anweisungen in ihr Gegenteil und geschäftliche Mitteilungen in obszöne Einladungen à la „Dann leck ich dich“ verwandelt) wird da zum Randproblem.

 

„Wo bleibt der Respekt für mich?!“

„Das Leben ist ein Fest“ liefert ein herrliches Feuerwerk aus Hoppalas und Katastrophen, eine malerische Schlossparkszenerie, fein gezeichnete Charaktere und mittendrin das Porträt eines Mannes, der ständig die Kontrolle bewahrt, jede Situation rettet – und dabei selbst heillos verloren wirkt. Selbst wenn Max' Schwager dessen Ehe „gammelig“ nennt, hört Max noch wertschätzend zu. „Wo bleibt denn der Respekt für mich?!“, klagt er ein einziges Mal. Gegen Ende wirft er tatsächlich das Handtuch – er setzt sich ins Gras. Für ein paar Minuten.

Komödien leben oft davon, dass das Publikum Dinge weiß, die die Figuren nicht wissen. In „Das Leben ist ein Fest“ erleben die Zuschauer all die Katastrophen, die den Gästen verborgen bleiben müssen. Sie sehen aber auch, wie Max in hoffnungslos wirkenden Umständen wie selbstverständlich weiterstrampelt. Und gerade dieses Understatement macht die rührende Komik dieser Figur aus. Man muss Max bedauern – gerade weil er es selbst viel zu wenig tut.

Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch: Das Vorspeisendebakel etwa wird durch die Endlosrede des Bräutigams kaschiert. Und als dieser gegen Ende mit seinem Ballon entschwebt, weil die Mitarbeiter versehentlich die Seile losgelassen haben – eine zauberhaft-groteske Szene –, wirkt das kurz richtig befreiend. Der Film holt ihn ja ohnehin nachsichtig wieder zurück.

„Das Leben ist ein Fest“ erzählt nicht von Menschen, die sich verändern, stattdessen wirbt der Film, in guter Komödientradition, um Nachsicht für den Status quo. Der Bräutigam ist nach seiner Ballonfahrt um nichts gescheiter und bekommt trotzdem seine bezaubernde Frau. Max' arbeitsloser Schwager hatte einmal eine Romanze mit der Braut, wird aber nicht die Hochzeit sprengen – auch wenn das Publikum es ihm gönnen würde. Und auch Max wird kein neues Leben beginnen. Stattdessen wird er sich wohl weiterhin für andere abstrampeln. Ein unspektakuläres berufliches und amouröses Happy End gönnt das Drehbuch der Regisseure dem Helden aber doch – wohl einfach aus Sympathie. Irgendjemand muss ja was tun für Max.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.02.2018)