Protest am Stephansdom: "Frieden für die Kurden in Syrien"

Protest mit einem Transparent am Wiener Stephansdom
Protest mit einem Transparent am Wiener StephansdomStanislav Jenis

Aktivisten ließen ein Transparent von der Balustrade der Kirche hinunter. Dompfarrer Toni Faber sprach von einem "positiven Friedenszeichen".

Es ist die zweite Woche der „Operation Olivenzweig“: Die türkische Armee will im nordsyrischen Afrin die Kurden verdrängen, der Einmarsch sorgt seit Anbeginn für Kritik. Kurdische Aktivisten haben am Freitag auch in Wien gegen die türkische Operation protestiert: Am Vormittag ließen sie vor der Balustrade über dem Eingang des Stephansdoms ein langes Transparent hinunter, mit der Aufschrift: „Frieden für die Kurden in Syrien“. Skandiert wurden auch Slogans für den Frieden in Afrin, gegen den Einsatz der türkischen Armee und für die syrisch-kurdischen Volksverteidigungseinheiten YPG.

„Ich kenne Menschen, die dort Angehörige verloren haben und jetzt wieder zur Flucht gedrängt werden. Da sterben Menschen, Kinder“, sagte Dompfarrer Toni Faber unten auf der Domplatte, während die Aktivisten auf die Balustrade stiegen. Der Pfarrer gab der Aktion bereits im Vorfeld seinen Segen: „Ein positives Friedenszeichen zu setzen, Frieden für die Kurden in Syrien, ist höchst anständig und höchst notwendig.“ Diese Aktion sei zwar ein „kurzes Zeichen“, aber ein „Zeichen mit dem Finger in den Himmel“. Man bete jeden Tag für den Frieden in der Welt, wie der Papst das jeden Mittwoch bei seiner Audienz fordere.

Die zahlreichen Tauben auf der Domplatte erklärte der Dompfarrer kurzerhand für Friedenstauben, als das Transparent im Wind flatterte. Etwa eine Viertelstunde hing der Friedensspruch am Dom und wurde anschließend entfernt. Für den Initiator Ali Gedik hat die katholische Kirche Sensibilität gezeigt: „Menschen habe eine kleine Hoffnung mehr, wenn sie sehen, dass es Solidarität gibt.“

Entsetzen über Verstümmelung einer Kämpferin

Seit Beginn der „Operation Olivenzweig“ sind türkischen Angaben zufolge 790 Kämpfer „neutralisiert“ worden, sie wurden also entweder getötet oder festgenommen. In sozialen Medien sorgte zuletzt ein Foto für Entsetzen, das eine kurdische Kämpferin zeigt, die laut YPG-Angaben entweder von al-Qaida oder türkischen Truppen getötet worden sei. Der Frau wurden die Brüste abgeschnitten und sie wurde offenbar auch im Genitalbereich verstümmelt.

Den türkischen Einsatz in Syrien haben zuletzt der französische Präsident Emmanuel Macron und alle Fraktionen im Deutschen Bundestag kritisiert, wiewohl Berlin selbst unter Zugzwang gekommen ist. Bilder zeigen, dass türkische Truppen deutsche Panzer in Afrin einsetzen, zuletzt hat das türkische Wirtschaftsministerium den Einsatz deutscher Waffen bestätigt. Auch die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) kritisierte die „Operation Olivenzweig“: Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan habe „einen angeblichen Selbstverteidigungsfall inszeniert, um einen Angriffskrieg zu führen“.

In Afrin unterstützen türkische Truppen die „Freie Syrische Armee“ (FSA), um die Kurden zurückzudrängen. Beobachtern zufolge setzen sich Teile der FSA aus jihadistischen Gruppen zusammen, was Erdogan zuletzt zurückwies: Die FSA sei „keine Terrorgruppe“, sondern eine ethnisch gemischte „nationale Organisation, die ihr Heimatland verteidigt“. Die Türkei geht gegen die YPG vor, weil sie direkten Einfluss auf die türkische Grenze bzw. in die Kurdenregionen in der Türkei fürchtet. Die YPG gilt als Schwesternorganisation der PKK, die viele Anschläge in der Türkei verübt hat. Ein groß angelegter Friedensprozess ist gescheitert.

(duö)