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Der Ruf nach digitalen Zwillingen

Der Techniker ist virtuell und sitzt auf dem Kopf.
Der Techniker ist virtuell und sitzt auf dem Kopf.(c) Zühlke

Augmented Reality ist kein Thema, das Gamern „gehört“. Das zeigt die von Zühlke und Jungheinrich für die Hololens entwickelte Service-App.

Wer Augmented Reality hört, denkt im ersten Moment vielleicht an den großen Sommer-Hype von 2016: kleine Monster, die auf dem Smartphone-Bildschirm in der realen Umgebung angezeigt werden, um sie einzufangen und dann zu trainieren. Die Einsatzfelder dieser Technologie sind weitreichender, als man zuerst vielleicht meinen mag.

Als Microsoft seine Hololens präsentierte, war das Interesse groß. Was macht man damit, und wie weit sind wir mit dieser Entwicklung noch vom Holodeck aus der Kultserie „Raumschiff Enterprise“ entfernt? Weit, um die Antwort abzukürzen. Die Möglichkeiten sind aber umfassend.

Beim Innovationsdienstleister Zühlke war die Neugierde geweckt, und gemeinsam mit dem Intralogistikunternehmen Jungheinrich entwickelte man ein Konzept und bewarb sich bei Microsofts Hololens-Entwicklerprogramm. Im März 2017 wurde man angenommen, und die Arbeit begann.
Innerhalb von acht Wochen war die Idee zu einem vorzeigbaren „Proof of Concept“ gediehen.

Die Geburt des „Digital Twin“. Gemeinsam mit den Servicetechnikern von Jungheinrich entwickelte Zühlke eine App, um die Reparatur eines Palettenstaplers holografisch zu unterstützen.

Bei einem Digital Twin handelt es sich um eine vollständige digitale Kopie des physischen Produkts. In diesem Fall einen Stapler. Der Vorteil des Einsatzes der Hololens liegt auf der Hand. Fällt das Gerät in einem Betrieb aus, kann es bei fehlendem Ersatz zu einem Stillstand kommen. Bis ein Techniker des Unternehmens tatsächlich vor Ort ist und den Fehler beheben kann, vergeht einiges an Zeit.

(c) Zühlke

Mit der Hololens und der Entwicklung von maßgeschneiderten Apps will Zühlke gemeinsam mit Jungheinrich zeigen, dass eine „Steigerung des Business Value“ möglich ist und man „diesen Weg als Partner für innovative Kunden“ mitgestalten will, erklärt Nikolaus Kawka im Gespräch mit der „Presse am Sonntag“.

Produktivität statt Stillstand. Im gezeigten Szenario kann ein Mitarbeiter die Hololens aufsetzen und sich durch vor dem Auge eingeblendete Informationen auf Fehlersuche begeben. Die App ist selbsterklärend und verlangt kein Detailwissen zum Gerät. Ganz nach dem Motto „Wenn nicht A, dann vielleicht B“ geht man der Ursache für den Stillstand auf den Grund.

(c) Zühlke

Im Idealfall kann der Mitarbeiter selbst direkt vor Ort den Fehler beheben. Das erspart dem Unternehmen langfristig Geld. Und sollte dennoch der Techniker kommen müssen, weil die Reparatur umfassender ausfällt, kann man aber sicherstellen, dass dieser bereits mit den richtigen Ersatzteilen zum Einsatzort kommt und zudem nicht erst selbst auf Fehlersuche gehen muss. Und Sätze wie „Das muss ich jetzt aber g'schwind holen“ hört man dann hoffentlich auch nicht mehr.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.02.2018)