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Fan-Ausschreitungen im Derby: "Skandalös, ein Wahnsinn"

Raphael Holzhauser wurde von einem Feuerzeug getroffen
Raphael Holzhauser wurde von einem Feuerzeug getroffenAPA/EXPA/THOMAS HAUMER
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Austria-Trainer Thorsten Fink war fassungslos ob der Feuerzeug- und Becherwürfe aus dem Rapid-Sektor. Rapid-Mediendirektor Peter Klinglmüller verurteilte die Vorkommnisse "aufs Schärfste" und kündigte Konsequenzen an.

Insgesamt fast 14 Minuten war das 325. Wiener Derby zwischen Rapid und Austria, das 1:1 endete, unterbrochen, mit Würfen von Gegenständen in Richtung von Austria-Spielern hatten Rapid-Anhänger das Spiel an den Rande des Abbruchs gebracht. Das erste Mal hagelte es nach knapp fünf Minuten Feuerzeuge, als Austria-Kapitän Raphael Holzhauser zur Ausführung eines Eckballs schritt und getroffen wurde. Als nach 26 Minuten Bierbecher auf David Pires einprasselten, schickte Schiedsrichter Rene Eisner beide Mannschaften in die Kabinen.

"Es ist skandalös, was in Österreich erlaubt ist. Dass hier Spieler mit Regenschirmen geschützt werden müssen, ist ein Wahnsinn. Wenn man das nicht unterbindet, wird das nie aufhören", schimpfte Austria-Trainer Thorsten Fink. Holzhauser selbst wollte sich nur bedingt zu den unschönen Szenen äußern: "Die können sich erlauben, was sie wollen, aber ich muss aufpassen, was ich sage. Vielleicht muss der Schiedsrichter so ein Spiel auch einmal abbrechen. Für mich ist das nicht normal. Aber dass ich abtrete, war kein Thema."

Fink zollte Holzhauser für sein Verhalten in der hitzigen Situation Respekt: "Er hat sich sehr vorbildhaft verhalten. Er hätte auch einfach liegen bleiben können mit dieser blutigen Wunde." Im Gegensatz zur Vergangenheit, in der der Austria-Spielmacher mit Gesten und behäbiger Ausführung gezielt provoziert hatte, war ihm dieses Mal kein Vorwurf zu machen.

Djuricin: "Sind Einzelne und sie gehören weg"

Rapid-Trainer Goran Djuricin bedauerte die Zwischenfälle: "Als Fan sollte man sich von niemandem provozieren lassen. Unsere Fans sind toll, es gibt aber immer einzelne, die auszucken und einen Schwachsinn machen wie heute. Vielleicht können die Fans das untereinander bereinigen und diejenigen zur Verantwortung ziehen. Ich verurteile die Vorfälle enorm, aber nicht alle Fans. Es waren wahrscheinlich ein oder zwei oder drei Leute. Deshalb appelliere ich an die Fans: Sie sollen es selbst regeln. Es sind Einzelne, und die gehören weg." Angesprochen auf mögliche Stadionsperren ließ Djuricin im ORF-Interview eine klare Ansage vermissen: "Das ist nicht mein Thema."

Weder Rapid-Präsident Michael Krammer noch Christoph Peschek, Geschäftsführer Wirtschaft, oder Sportdirektor Fredy Bickel wollten sich im Fernsehen zu den Fan-Ausschreitungen zu Wort melden. Stattdessen sprach Mediendirektor Peter Klinglmüller: "Die Vorkommnisse verurteilen wir auf das Allerschärfste. Das gefährdet die Gesundheit der Akteure auf dem Rasen und schadet am meisten dem eigenen Verein. Die Videoaufnahmen werden wir sehr genau studieren und dementsprechende Konsequenzen gegenüber Übeltätern ziehen." 

Abbruch stand im Raum

Schiedsrichter Rene Eisner bestätigte nach der Partie, dass ein Abbruch möglich gewesen wäre. "Hätte Holzhauser mir gesagt, dass er nicht weiterspielen kann, hätte ich das Spiel abgebrochen", erklärte der Steirer, der bei seinem ersten Derby-Einsatz ordentlich gefordert worden war.

Nach den zwei Spielunterbrechungen hatte Eisner via Stadionsprecher Andy Marek verkünden lassen, dass jeder weitere Zwischenfall einen Abbruch zur Folge hätte. Warum dies dann im Fall der beiden Rapid-Fans, die im Finish bei einem Austria-Angriff - ohne Ordner weit und breit - auf den Rasen stürmten, nicht geschah, erklärte er so: "Da war keine Gefahr da, deshalb musste nicht abgebrochen werden."

Für Ex-Austrianer Aleksandar Dragovic, der inzwischen in der Premier League für Leicester spielt und als Zuschauer das Spiel verfolgte, sind die Vorkommnisse unverständlich: "In England würde so etwas nie passieren." Auch ORF-Experte und Ex-Rapidler Dietmar Kühbauer sprach sich für lebenslange Stadionsperren für die Übeltäter aus.

(swi)