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Haiti ist kein Abholmarkt

Vermeintliche Helfer meinen es nur gut und wollen Kinder aus Haiti bringen. Damit bessern sie die Lage der Erdbebenwaisen aber nicht.

Wer ist nicht schockiert von den apokalyptischen Bildern aus Haiti, die in unsere Wohnzimmer geliefert werden: Kinder, die in den Ruinen von Port-au-Prince umherirren, auf der Suche nach Wasser, Essen und einem Dach über dem Kopf. Hunderttausende Waisen, die schon jetzt als die verlorene Generation bezeichnet werden. Das geht unter die Haut. Wer hat sich da nicht dem Gedanken hingegeben, dass Familien in den USA oder in Europa diesen Kindern ein besseres Leben und eine bessere Zukunft bieten könnten?

Helfer versuchen immer wieder, Kinder auf eigene Faust über die Grenze in die Dominikanische Republik zu bringen, mit der Begründung, es ja nur gut zu meinen. Genau diese Naivität vergrößert das Chaos im Land. Wer kann da noch zwischen wahren Helfern und zwischen Kriminellen unterscheiden? Niemand kann feststellen, ob rasch ins Ausland gebrachte Kinder vielleicht nicht doch noch Verwandte in ihrer Heimat hätten, die sich um sie kümmern könnten. Diese Kinder sind nirgends registriert, ihre Ausreise bei keiner Behörde verzeichnet. Da können Menschenhändler ansetzen. Sie spielen mit den Schicksalen der haitischen Waisen – und dem Kinderwunsch ausländischer Paare. Vielleicht hätten es unterernährte haitische Kindern im Ausland besser, doch für Menschenhändler geht es nur um den Profit. Haiti darf kein Selbstbedienungsladen für diese Kriminellen werden. Auch wenn das Leid der haitischen Waisen unter die Haut geht. ericht: Seite 6)


irene.zoech@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.02.2010)