Die EU-Kommission hofft, die Nachfolgestaaten Jugoslawiens sowie Albanien mit möglichen Beitritten ab 2025 zu Reformen zu motivieren. Doch in ihrer eigenen Strategie warnt sie vor der enormen Rückständigkeit dieser Länder.
Brüssel. Vier Jahre lang ließ die Europäische Kommission vom heiklen Thema möglicher EU-Beitritte der sechs Westbalkanstaaten die Finger, nachdem ihr Vorsitzender, Jean-Claude Juncker, zu Beginn seiner Amtszeit jegliche Erweiterung der Union und selbst vage Versprechen über eine Beschleunigung der bestehenden Beitrittsverhandlungen unter seiner Ägide kategorisch ausgeschlossen hatte. Juncker änderte voriges Jahr seine Meinung unter dem Eindruck der politischen und wirtschaftlichen Verschlechterung vor der Haustür der Union, die zu einem wachsenden geopolitischen Problem wurde.
Ergebnis dessen ist jenes knapp 20-seitige Strategiepapier über eine „Glaubwürdige Erweiterungsperspektive für den Westbalkan“, welches die Kommission am heutigen Dienstag bei ihrer Sitzung in Straßburg beschließen wird. Es liegt der „Presse“ in seiner Endfassung vorbehaltlich kleiner sprachlicher Änderungen, die während der Sitzung der Kommissare möglich sind, vor und veranschaulicht das Dilemma, welches das politische Erbe des Zerfalls Jugoslawiens für die EU nach einem Vierteljahrhundert noch immer darstellt.