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Die Rückkehr des Klangs

Präzision und Aggressivität: Das Juilliard String Quartet spielt Bartók.
Präzision und Aggressivität: Das Juilliard String Quartet spielt Bartók.(c) Beigestellt
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KritikSpeakers Corner bringt Schallplattenklassiker zurück.

Mehr als ein Vierteljahrhundert ist es her, dass die CD die Langspielplatte abgelöst hat. Und ebenso lang halten Audiophile am Vinyl fest. Es hat lang gedauert, bis eine größere Hörerschaft erkannt hat, dass die Vorteile der Digitaltechnik – vor allem das völlige Fehlen von Nebengeräuschen – auch einen Verlust mit sich brachten: Die Musik klingt weniger farbenreich, daher auch weniger sinnlich als durch die vielleicht durch leichtes Knistern oder Bandrauschen „gestörte“ Analog-Methode vermittelt. Längst schwören Kenner wieder auf die akustischen Vorzüge der Schallplatte – und der Markt für Neupressungen boomt. Vorn dabei waren von Anfang an die Produzenten von Speakers Corner. Sie kauften Lizenzen von den wichtigsten Labels und stellten – ohne jeden digitalen Zwischenschritt – pure Analog-Neumischungen von den originalen Studiobändern her, um sie auf hochwertigem, 180 Gramm schwerem Vinyl zu pressen. Die Ergebnisse sind fulminant.

Nicht wenige Musikfreunde schwören darauf, dass etliche ihrer Lieblingsaufnahmen aus den 1960er-Jahren (dank des höherwertigen Materials) sogar besser klingen als damals. Jedenfalls hört man die Musik in einer Frische und Unmittelbarkeit, die keine CD bieten kann. Unter den jüngsten Neuveröffentlichungen von Speakers Corner finden sich viel diskutierte Aufnahmen aus dem Columbia-Katalog, darunter Glenn Goulds Sammlung Brahms’scher Intermezzi sowie zwei Mozart-Aufnahmen edelsten Zuschnitts: Rudolf Serkins Einspielungen der Klavierkonzerte KV 413 (F-Dur) und 466 (d-Moll) unter Alexander Schneider und Bruno Walters wunderbar ausgeglichene, transparente Deutungen der „Haffner“- und „Jupiter-Symphonie“. Dazu Walters legendäre Aufnahme von Beethovens „Eroica“ – die freilich nur Hörer befriedigen wird, die mehr auf analytische Klarheit als auf Konzertsaal-Dramatik Wert legen.

Walter dirigiert Mozart: Symphonien 35 und 41 mit Columbia Symphony.
Walter dirigiert Mozart: Symphonien 35 und 41 mit Columbia Symphony.(c) Beigestellt

Bartók, perfekt. Ein absolutes Muss für Freunde der frühen Moderne ist die Wiederauflage der zweiten von drei Gesamteinspielungen der Bartók-Streichquartette durch das Juilliard String Quartet. Dieses Album hat auch in aufnahmetechnischer Hinsicht Standards gesetzt – und bringt bei aller Präzision vor allem in den mittleren Quartetten auch jene Aggressivität ins Spiel, die den Hörer oft jäh anzuspringen scheint, um ihn dann nicht mehr loszulassen. Nicht von ungefähr muss sich seither jede Bartók-Aufnahme an dieser messen lassen. Und auf LP klingt sie so frisch und spontan, als säßen die vier Herren gerade im Wohnzimmer und gewährten ein Privatkonzert.