Autozulieferer am Gängelband der Hersteller

(c) EPA (Tannen Maury)
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Die dringend notwendige Konsolidierung wird laut einer Studie von den Autokonzernen verhindert. Weltweit mussten 2009 rund 225 Autozulieferer ihre Werkstore für immer schließen. Vor der Krise waren es nur 75 gewesen.

Wien (jaz). Es ist ein Teufelskreis, in dem sich ein Gutteil der Autozulieferer laut einer Studie der Unternehmensberatung Roland Berger befindet: Die Unternehmen haben zu geringe Margen, um dauerhaft und langfristig in der Gewinnzone zu verbleiben. Daher müsste sich die Branche dringend konsolidieren, um so Überkapazitäten abzubauen und Synergien zu heben. Dies wird jedoch verhindert. Einerseits durch die Autohersteller, die befürchten, dass große Zulieferer zu viel Macht bekommen. Und andererseits durch die geringen Margen, die Investoren vor Investitionen in die Branche abhalten.

Aufgrund der globalen Autokrise wurde erwartet, dass es im Jahr 2009 zu einer wahren Übernahmewelle in der Zuliefererbranche kommen werde, heißt es in der Studie. Dies ist jedoch nicht eingetroffen. Seit 2007 ging die Zahl der Übernahmen sogar von 233 auf 212 zurück. Drastisch angestiegen ist im Vorjahr jedoch die Zahl der Insolvenzen. Weltweit mussten 2009 rund 225 Autozulieferer ihre Werkstore für immer schließen. Vor der Krise, im Jahr 2007, waren es nur 75 gewesen.

Zu wenig zum Leben...

Besonders drastisch sei die Situation in Produktsegmenten wie Innenverkleidungen. Dort sei die Zuliefererindustrie stark zersplittert. Kaum ein Unternehmen hätte global über zehn Prozent Marktanteil. Anders sei dies in Bereichen wie Bremsen, wo die zwei größten Zulieferer die Hälfte des Marktes kontrollieren. Ein Zustand, der die Autohersteller in eine ungewohnte Situation der Schwäche bringt, weshalb sie laut Studie die Konsolidierung in weiteren Bereichen verhindern wollen. So würden angeschlagene Zulieferer gezielt vor dem Untergang gerettet, indem Aufträge von stabilen Konkurrenten abgezogen werden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.02.2010)

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