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Doskozil-Kommission soll zum Nachteil der Eurofighter gerechnet haben

Eurofighter
EurofighterAPA/HARALD SCHNEIDER
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Die Lebensdauer der Jets soll auf 40 Jahren angelegt worden sein, alternative Systeme nur auf 30 Jahre. Das Fazit: die Kosten der Eurofighter wurden teurer dargestellt, berichtet ein Kommissionsmitglied.

Der neue Verteidigungsminister Mario Kunasek (FPÖ) plant, die Entscheidung seines Amtsvorgängers, Hans Peter Doskozil (SPÖ), wonach die 15 Eurofighter durch andere Jets ersetzt werden sollen, nochmals überprüfen zu wollen. Eine Ankündigung, die Doskozil massiv missfällt.  "Alles andere als ein Eurofighter-Ausstieg wäre verrückt", meinte er etwa zu Jahresbeginn in einem Interview mit dem "Kurier". Seine Argumentation stützte der Ex-Minister dabei auf einen Kommissionsbericht. Allerdings: Wie ein Kommissionsmitglied nun aussagte, wurden die Berechnungen in dem Bericht auf Geheiß des Ministers zum Nachteil der Eurofighter erstellt.

Der Kern der Kritik: Der Lebenszyklus der Eurofighter wurde bei den Berechnungen auf 40 anstatt 30 Jahren angelegt. Das hat dazu geführt, dass die Eurofighter bei der Gegenüberstellung mit anderen Luftverteidigungssystemen, deren Kosten nur für 30 Jahre berechnet wurden, als deutlich teurer dargestellt wurden.

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Aus dem Büro von Doskozil, der mittlerweile Finanzlandesrat im Burgenland ist, hieß es auf Anfrage, dass die Vorgabe für die Sonderkommission "von Beginn an klar war": Bis Ende Juni 2017 alle militärisch effektiven und betriebswirtschaftlichen Optionen zur Sicherstellung der Luftraumüberwachung der Republik Österreich zu untersuchen und ihre Empfehlungen bis Ende Juni diesen Jahres vorzulegen. Die Sonderkommission habe zwei Varianten vorgeschlagen: eine mit Auf- und Umrüstung der Eurofighter und eine mit einem neuen System. "Die Entscheidung fiel auf die Anschaffung eines neues Systems, und das aus gutem Grund. Der Weiterbetrieb des EF ist mit so hohen militärischen und finanziellen Risiken verbunden, dass ein Weiterbetrieb aus meiner Sicht einfach nicht vertretbar ist."

Lebensdauer bis 2040

Die ersten Eurofighter sind 2007 nach Österreich gekommen, die letzten landeten 2009 in Zeltweg. Sie sind auf eine Lebensdauer von 30 Jahren angelegt, also bis etwa 2040. Die von Doskozil eingesetzte Sonderkommission "Aktive Luftraumüberwachung" hatte die Aufgabe, verschiedene Modelle für die künftige Luftraumüberwachung zu berechnen. Die Experten haben zur Halbzeit ihrer Arbeit dem Minister die ersten Berechnungen vorgelegt, denen zufolge die Eurofighter "nicht so schlecht ausgestiegen sind", so der Insider.

Luftstreitkräfte-Chef Karl Gruber, der Kommissionsvorsitzender war, sei daraufhin zum Minister zitiert worden. Der Ressortchef habe angeordnet, dass die Berechnungen dahin gehend geändert werden, dass die Lebensdauer der Eurofighter bis 2049 verlängert wird. Das sind um zehn Jahre mehr als bei einem neuen System, das erst 2020 implementiert werden würde. Diese verlängerte Berechnung führt dazu, dass die ohnehin hohen Betriebskosten für die Eurofighter noch mehr ansteigen.

In der Kommission, in der neben Gruber auch ein Eurofighter-Pilot, Leute aus der Fliegerwerft und der Luftzeug-Abteilung sowie externe Experten aus der Schweiz saßen, habe das für Aufregung gesorgt, berichtete der Informant. Auf Druck mancher Kommissionsmitglieder seien in einem geheimen Bericht, der im Ministerium unter Verschluss gehalten werde, die vom Minister gewünschten Änderungen der Parameter festgehalten worden.

500 Eurofighter weltweit in der Luft

Der Eurofighter ist außerhalb der Hersteller-Nationen Deutschland, Großbritannien, Italien und Spanien nur von sehr wenigen Ländern gekauft worden. Ursprünglich war der Eurofighter als europäisches Projekt gedacht, gekauft wurden die Abfangjäger neben Österreich allerdings nur von arabischen Ländern, nämlich Saudiarabien, Oman, Kuwait und Qatar. Insgesamt wurden 623 Flieger bestellt, 500 davon sind bereits ausgeliefert worden, teilte Eurofighter mit. Ein Überblick:

Deutschland - 143

Großbritannien - 160

Italien - 96

Spanien - 73

Österreich - 15

Saudiarabien - 72

Oman - 12

Kuwait - 28

Qatar - 24

(APA)