Schnellauswahl

Haiti: Prozess wegen Kinderraubes in den USA?

US-Buerger wegen angeblichen Kinderhandels in Haft
(c) REUTERS (Str)
  • Drucken

Zehn Amerikaner wurden nach dem Erdbeben in Haiti festgenommen, als sie 33 Kinder außer Landes bringen wollten. Nun fordert Haitis Premier, dass ihnen in der Heimat der Prozess gemacht wird.

Zehn Amerikaner, die nach dem Erdbeben in Haiti unter dem Verdacht der illegalen Kindervermittlung festgenommen wurden, könnten möglicherweise in den USA vor Gericht gestellt werden. Der haitianische Ministerpräsident Max Bellerive sagte der Nachrichtenagentur AP, seine Regierung sei dieser Idee gegenüber offen. Die meisten Gebäude in seinem Land, darunter alle Gerichtsgebäude, seien bei dem Beben beschädigt worden. Außerdem sei jetzt klar, dass die Amerikaner die Kinder ohne die erforderlichen Papiere außer Landes bringen wollten. Einige der Kinder haben demnach noch lebende Eltern.

"Und es ist auch klar, dass sie (die Amerikaner) wussten, dass das, was sie taten, falsch ist", sagte er weiter. Die US-Botschaft wollte zunächst nicht sagen, ob Washington im Fall der festgenommenen Amerikaner zu einem Prozess in den USA bereit ist.

 

33 Kinder verschleppt?

Die Amerikaner wurden vergangene Woche von der haitianischen Polizei festgenommen, als sie 33 Kinder außer Landes bringen wollten. Es besteht nun der der Verdacht, dass die Kinder illegal an Adoptiveltern vermittelt werden sollten, sagt der haitianische Sozialminister Yves Cristallin.

Die Beschuldigten wiesen die Vorwürfe zurück und erklärten, sie wollten für die Kinder ein Waisenhaus in der an Haiti angrenzenden Dominikanischen Republik errichten.

Alle Adoptionen gestoppt

Die haitianische Regierung hat alle Adoptionen gestoppt, die nicht schon vor dem Beben am 12. Jänner eingeleitet waren. Zu groß ist die Befürchtung, dass verwaiste oder von ihren Familien getrennte Kinder jetzt mehr denn je in Gefahr sind, verschleppt und verkauft zu werden. Ohne Papiere und ohne jegliche Versuche, die Familie ausfindig zu machen, könnten sie für immer von Angehörigen getrennt werden, die willens und in der Lage wären, für sie zu sorgen.

Die 33 Buben und Mädchen aus oben genantem Fall sind vorerst in einem SOS-Kinderdorf untergebracht. Nach Angaben des Heims haben zumindest einige von ihnen noch Eltern. Diesen sei offenbar gesagt worden, die Kinder gingen auf einen längeren Ferienaufenthalt, um aus dem Elend herauszukommen.

(Ag.)