Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Schnellauswahl

Ex-Skifahrerinnen belasten Trainer Karl Kahr

Nicola Werdenigg brach das Schweigen.
Nicola Werdenigg brach das Schweigen.(c) APA/ZEITUNGSFOTO.AT/DANIEL LIEBL (ZEITUNGSFOTO.AT/DANIEL LIEBL)
  • Drucken

„SZ“-Recherche basiert auf eidesstattlichen Erklärungen, Klasnic-Kommission hatte Hinweise auf sexuelle Übergriffe. Kahr-Anwalt: „Verleumdung“.

Wien. Mit Beginn der Winterspiele in Pyeongchang ist Österreichs Skiverband neuerlich mit einem Bericht über Missbrauchsvorwürfe konfrontiert. Eine Ex-Skirennläuferin berichtete der „Süddeutschen Zeitung“, sei sie in ihrer Zeit beim ÖSV (Saison 1968/69) vom damaligen Damencheftrainer Karl Kahr vergewaltigt worden. Dessen Anwalt, Manfred Ainedter, sprach von Verleumdung; für Kahr gilt die Unschuldsvermutung.

„Ich habe geschlafen, da ist Kahr auf einmal ins dunkle Zimmer gekommen und hat mich vergewaltigt. Ich habe ihn erst bemerkt, als er schon auf mir lag. Er war ganz sicher nicht betrunken. Ich hätte mich wehren sollen. Aber das traust du dich in dem Moment nicht. Er war mein Trainer, du hast zu ihm als 16-jähriges Mädchen aufgeschaut.“ Eine zweite Ex-Rennläuferin erklärte, dass Kahr sie im Winter 1976 beim Weltcup in Quebec vergewaltigen wollte. Mit den Worten „Heut' kommst du dran!“ sei sie ins Zimmer gezerrt worden, habe aber flüchten können. Der „Süddeutschen“ liegen dazu eidesstattliche Erklärungen vor.

 

Klammer und Pall überrascht

Mit Österreichs Abfahrern feierte der heute 85-jährige Kahr ab 1972 große Erfolge. Franz Klammer („Ob in seiner Zeit als Damentrainer etwas passiert ist, kann ich nicht sagen, weil ich keine Ahnung davon habe“) gewann 1976 in Innsbruck Gold. Olga Pall, Abfahrtsolympiasiegerin von 1968, sagt: „Charly war mein Ko-, Jugend- und Nationaltrainer. Als ich das im Teletext gelesen habe, bin ich erschrocken. Überrascht bin ich, denn es wurde über so etwas in der Mannschaft nicht einmal gemunkelt.“ Kahr wurde von der „Kleinen Zeitung“ erreicht: „Mir bleibt nichts erspart. So etwas brauchst du im Leben, und das mit 86 Jahren.“

Seitens des ÖSV gebe es keine Stellungnahme, sagte Pressechef Josef Schmid in Pyeongchang. Bis die Staatsanwaltschaft Innsbruck neue Erkenntnisse habe, würden zu dieser Causa nur PR-Beraterin Heidi Glück bzw. Opferschutzanwältin Waltraud Klasnic sprechen. Am Freitag wurde publik, dass die vom ÖSV eingerichtete Klasnic-Kommission vor Erscheinen des „SZ“-Artikels bereits Hinweise auf sexuelle Übergriffe durch Karl Kahr erhalten hatte, so Sprecher Herwig Hösele. (flo, sagi, fin)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.02.2018)