Nowotny begrüßt "Aufwecksignal" an den Börsen

Alarmiert sei Nowotny wegen des jüngsten Kursrutsches an den globalen Aktienmärkten nicht.
Alarmiert sei Nowotny wegen des jüngsten Kursrutsches an den globalen Aktienmärkten nicht.(c) HANS KLAUS TECHT / APA

Die EZB werde die Zinsen heuer sicher nicht mehr anheben, sagt OeNB-Gouverneur Ewald Nowotny.

Wien. Die längste Zeit galt die lockere Geldpolitik der Notenbanken als Hauptgrund für das Kursfeuerwerk an den Aktienmärkten. Und auch die jüngsten Rückschläge an den Börsen hängen wohl direkt mit den antizipierten Entscheidungen der Währungshüter zusammen, sagt Ewald Nowotny, Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB), im ORF.

Hinter den Rückgängen stehe die Erwartung, dass die Notenbanken ihre Zinsen hinaufschrauben könnten. Unmittelbarer Auslöser war ein rascherer Lohnzuwachs in den USA, der für mehr Nachfrage, rascher steigende Preise und damit ein rascheres Anheben der Zinsen sprechen könnte, so Nowotny.

Alarmiert sei er wegen des jüngsten Kursrutsches an den globalen Aktienmärkten nicht. Es handle sich „bei dem Rückschlag eher um eine Normalisierung, ein vernünftiges Aufwecksignal“. Die Kurse seien jetzt dort, wo sie zum Ende des Vorjahres waren, das von deutlichen Zuwächsen geprägt war.

 

Inflation ist noch zu niedrig

Anders als in den USA werde es in Europa noch etwas dauern, bis der Leitzins wieder angehoben werde, so Nowotny, der auch Mitglied des EZB-Rates ist. Er schloss aus, dass die Leitzinsen in Europa noch heuer angehoben werden. Es fehle noch an der passenden Inflationsrate von rund zwei Prozent in der Eurozone. Diese liegt bei 1,4 Prozent. „Daher ist die EZB derzeit noch auf der vorsichtigen Seite“, sagte der OeNB-Gouverneur. Bei Zinsen von länger laufenden Staatsanleihen sehe man aber bereits jetzt, dass die Zinsen anziehen würden.

Das Staatsanleihen-Kaufprogramm ist abgesenkt worden, erinnerte Nowotny genauso, wie dass es per Ende September auslaufen wird und er nicht der Meinung ist, dass es noch fortgesetzt werden müsse. Wichtig sei das Vorgehen aber bestimmt gewesen, um den massiven Abschwung nach 2008 zu bremsen.

 

Schuldner sind die Gewinner

Freilich seien Sparer von der Niedrigzinspolitik am stärksten betroffen. „Das ist der Preis dafür, dass insgesamt eine expansive Politik für das Überwinden der Wirtschaftskrise gemacht wurde, die die Menschen noch mehr berührt. Die Verlierer sind auf der Sparerseite. Gewinner sind die, die sich verschulden.“ (ag)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.02.2018)