Nach dem Abschuss eines israelischen Jets lässt die Regierung Luftangriffe auf Ziele in Syrien fliegen.
Jerusalem. Nach dem Abschuss eines israelischen Jets über Syrien demonstrierte Premier Benjamin Netanjahu Selbstvertrauen. Die Angriffe der israelischen Luftwaffe auf Ziele in Syrien hätten „den iranischen und syrischen Truppen einen schweren Schlag versetzt“, sagte er bei der wöchentlichen Regierungssitzung.
Am Samstag hatten israelische Piloten ein Dutzend Bombenangriffe gegen Ziele in Syrien ausgeführt. Dabei wurden, Berichten einer syrischen Menschenrechtsorganisation zufolge, sechs Menschen getötet, darunter offenbar auch iranische Kämpfer. Die syrische Luftabwehr hatte vorher einen israelischen F17-Kampfjet beschossen, der im Norden Israels zum Absturz kam, beide Piloten konnten sich mit Fallschirmen retten. Auslöser des seit Jahrzehnten schwersten Schlagabtauschs zwischen Israel und Syrien war eine iranische Drohne, die am Wochenende in israelisches Gebiet eingedrungen war.
Sorge vor Eskalation
Das israelische Verteidigungsministerium ließ Raketenabwehrsysteme stationieren, für den Fall, dass der Konflikt eskalieren sollte. In den Ortschaften im Norden des Landes galt zunächst Entwarnung.
Seit Beginn des syrischen Bürgerkrieges blieb die Regierung in Jerusalem ihrer Ankündigung treu, sie wolle sich nicht in die Kämpfe einmischen. Einzig Waffentransporte, die durch Syrien an die libanesisch-schiitische Terrororganisation Hisbollah geleitet werden sollten, werde man aufhalten. Israelische Kampfjets griffen wiederholt solche Transporte an, ohne dass es zu Vergeltungsmaßnahmen von syrischer Seite kam. „Die Regeln haben sich nicht verändert“, verkündete Netanjahu am Sonntag. Israel werde „auch in Zukunft jeden angreifen, der uns Schaden zufügen will“.
In Jerusalem wächst die Sorge, dass sich Tausende schiitische Kämpfer aus dem Iran, aus Pakistan und Afghanistan dauerhaft in Syrien niederlassen und von dort aus jederzeit neue Provokationen gegen den Judenstaat lancieren könnten. Geplant ist offenbar die Errichtung einer Rüstungsfabrik sowie Luft- und Marinebasen. Syrien wäre damit die dritte Front, an der die iranische Regierung ihre Kämpfer und Handlanger postiert.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.02.2018)